[3 FRAGEN] an die „Porteños“ des FC Kreuzlingen 1905

Diesmal landen die 3 FRAGEN außerhalb der Bundesrepublik, bei den derzeit einzigen nichtdeutschen Unterstützern der Initiative; den „Porteños“ des Schweizer Fünftligisten FC Kreuzlingen 1905.

Minilogo-Kreuzlingen

Daniel, Kreuzlingen liegt im Norden des Landes, direkt an der deutschen Grenze am Bodensee. Aber in der Schweiz sind die Wege bis zum nächsten nationalen Topclub natürlich nie weit. Wie wird bei Euch der lokale Fußball von den Bürgern wahrgenommen?

Hallo Dirk. Freut mich, euch die Fragen zu beantworten und euch so mal ganz kurz gefasst einen kleinen Einblick in unsere Situation zu gewähren. Allein schon geografisch liegt das Interesse der Durchschnittsbevölkerung ziemlich ausgeprägt bei der Bundesliga, knapp gefolgt von der Schweizer Super League. Stadiongänger gehen zumeist zum FC St. Gallen oder FC Zürich, die etwas älteren auch zum Grasshopper-Club Zürich. In dessen Einzugsgebieten liegen wir, können aber immerhin davon profitieren, dass in unserem Kanton Thurgau kein einziger höherklassiger Verein spielt und auch in unserer Nachbarstadt Konstanz fussballerisch nichts läuft. Der lokale Amateurfussball kämpft seit etwa 20 Jahren mit einem Zuschauerrückgang. Auch durch Liga-Reformen spielen wir immer tiefklassiger, ein Thema das man ja auch in Deutschland kennt. Die letzten Jahre lag unser Zuschauerschnitt bei 220 bis 340 Zuschauern, Tendenz sinkend. Das liegt nur wenig über dem Liga-Durchschnitt. Ein Schnitt von 400-500 wäre das Ziel, für das man aber auf diversen Ebenen viel leisten muss. Auch die lokale Berichterstattung wird eher kleiner, immerhin gibt es mittlerweile eine sehr gute lokale Internetpräsenz die über sämtliche Spiele der lokalen Vereine berichtet. Manche Probleme beim FCK sind sicher auch hausgemacht, zuviele Trainer-/Spielerwechsel, ein totaler Ausverkauf der Nachwuchsbewegung etc. Der neue Vorstand führt den FCK zwar vorbildlich, aber es gilt noch einen langen Weg zu gehen bis der FCK wieder positiv wahrgenommen wird. Zumal wir sportlich in der Stadt durchaus starke Konkurrenz haben. Im Fussball ist mit dem AS Calcio ein familiärer Verein mit grosser Nachwuchsbewegung aktiv, im Handball konnte der HSC Kreuzlingen in die Nationalliga B aufsteigen und im Wasserball ist der Schweizer Rekordmeister und Champions League Teilnehmer SC Kreuzlingen auch Zuschauerkrösus mit bis zu 2′000 Zuschauern bei wichtigen Spielen. Dabei hätte Kreuzlingen als Traditionsverein und auch mit der Einwohnerstruktur (über 50% Ausländer) durchaus etwas Potential. Derzeit versuchen wir in der Stadt die Wahrnehmung mit Standaktionen und dem Verteilen von Gratis-Eintrittskarten zu stärken.

Mit Schweizer Fußball verbinden hierzulande die Meisten nicht zwingend große Sportgeschichte, dabei ist der Alpenstaat die Wiege des Kontinentalfußballs. Auch der FC Kreuzlingen 1905 hat eine glorreiche Vergangenheit. Wie lassen sich Tradition und Moderne bei der Fanarbeit der Porteños vereinen?

Das stimmt und ist auch wenig bekannt. Dabei spielte auch der FC Kreuzlingen eine Vorreiter-Rolle. Die grösste Zeit des FCK’s war in den 30er-Jahren. Zahlreiche ausländische Profi’s spielten damals in der Grenzstadt, unter anderem Norman Smith, Béla Volentik und  eine kurze Zeit auch Heiner Stuhlfauth (Nürnberger Torwart-Legende). An die Konstanzerstrasse pilgerten pro Saison bis zu 50′000 Zuschauer, eine enorme Zahl für den damals nicht mal 10′000 Einwohner fassenden Grenzort. Es gab Spiele gegen West Ham United London, FC Everton, Racing Paris, Hungaria Budapest, FAC Wien, AS Roma und viele weitere europäische Grössen. Obwohl der FCK aus finanziellen Gründen einen Aufstieg in die Nationalliga A ablehnte, gelangen im Pokal und in Freundschaftsspielen immer wieder Siege gegen die besten Schweizer Mannschaften. Die Geschichte geriet beim FCK fast völlig in Vergessenheit. In unserem Fanzine „Grenzstadtkurier“ haben wir die alten Geschichten wieder aufleben lassen und viel Recherchen zu diesem Thema betrieben. Auch die offizielle Stadionzeitung wird mittlerweile von den Fans gemacht und hat eine entsprechende Rubrik. Derzeit ist ein Interview mit einem Zeitzeugen angesagt, auf das ich mich besonders Freue. Das alles wird natürlich auch von den normalen Vereinsmitgliedern begeistert aufgenommen und da wird der Fanszene auch Respekt gezollt. Mit dem „modernen“ Fussball haben wir in dem Sinn kein Problem, weil wir einfach zu tief spielen. Bis auf das Pyro-Verbot kommen wir eigentlich gar nicht in Berührung mit den Problemen, die im etwas höherklassigen Fussball existieren. Natürlich existieren auch gewisse Reibungspunkte zwischen normalen Zuschauern und unserer kleinen Fanszene, aber das hält sich alles sehr im Rahmen und die Wege zum Verein sind kurz. Zumal wir seit neuestem sogar drei Personen aus der Fangruppe im 12-köpfigen Vorstand haben.

Nun ist GLOTZE AUS, STADION AN! eine Initiative aus Deutschland, aber die Situation des Amateurfußballs beileibe kein rein deutsches Problem. Wie kann GaSa! Euch eine Hilfe sein?

Ich denke allein schon als Austauschplattform kann die Initiative von nutzen sein. Auch ein gemeinsames Auftreten wird sicher von Vorteil sein, um das Problem in der Bevölkerung überhaupt ins Bewusstsein zu rücken. Ich denke, dass sich viele einfach keine Gedanken machen und dabei auch der Bezug zum lokalen Verein verloren ging. Dabei haben wir doch so eine spannende Leidenschaft zu bieten. Ich könnte mir auch Flyer-Material etc vorstellen, welches die einzelnen Gruppen nur für Ihren Verein anpassen müssen. Auf alle Fälle freue ich mich auf den Austausch und auf künftige Aktionen.

[(?) dm (Supporters Crew 05) | (!) daniel ( Porteños FC Kreuzlingen)]

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1 Antwort auf „[3 FRAGEN] an die „Porteños“ des FC Kreuzlingen 1905“


  1. 1 Wir unterstützen die Aktion “Glotze aus – Stadion an!” | PORTEÑOS KREUZLINGEN 2013 Pingback am 09. Oktober 2013 um 13:45 Uhr
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