Unterwegs in hanseatischen Kurven

Groundhopping ist wohl eines der schönsten Betätigungsfelder für Fußballfans, die sich für Stadien und Fankultur jenseits des Tellerrands begeistern können. Wenn man dann noch das Glück hat, das Projekt GLOTZE AUS, STADION AN! zu bündeln, hegt man zudem die Hoffnung, dass man an vielen Orten leidlich gern gesehener Gast ist.

So kam es, dass sich ein Wochenende durch Zufall auftat, welches mit einem Aufenthalt im hohen Norden gefüllt werden sollte. Rasch blätterten zwei reisewütige 05er durch die Spielpläne der GaSa!-Aktivisten in und mit Auswärtsziel Hamburg und stießen auf erfreuliche Ereignisse. Fest stand, dass ein Besuch bei Altona 93 II unumgänglich sein würde, denn ein Freund maßte sich dort die Tätigkeit als „Mädchen für alles“, im Vereinsjargon auch „Betreuer“ genannt, an. Die Zweite spielte dankenswerterweise am Sonntag vormittag, so dass sich direkt im fließenden Übergang das Heimspiel des HSV Barmbek-Uhlenhorst anfügen ließ. Der Samstag stand ganz klar im Zeichen der Regionalligapartie SC Victoria gegen TSV Havelse; Vereine die beide mit initiativenbeteiligten Szenen gesegnet sind. Der Freitag, letztendlich, sollte mit der Auswärtspartie des Goslarer SC 08 beim FC Eintracht Norderstedt ins rechte Flutlicht gestellt werden. Soviel zum Plan…

Einen Strich durch die Rechnung machte uns eine Neuterminierung in der Regionalliga Nord. Die Partie der Goslarer wurde prompt auf Sonntag verlegt und war somit für uns leider nicht mehr erreichbar, hatten wir doch unsere Priorität auf den Besuch von Grounds der beteiligten Gruppen gelegt. Schade drum. Einzig tröstlich war im Nachhinein, dass wir bei der Fahrt nach Hamburg wieder einmal so lange im Stau standen, dass wir das Spiel ohnehin verpasst hätten. So blieb der Ärger immerhin ein wenig planbar.

nordkaoscontainer

SAMSTAG | 13.30 Uhr | SC Victoria vs. TSV Havelse | 0:0

Der Samstag gehörte dem wunderschönen Stadion Hoheluft und gänzlich den Ultrás von Nordkaos, da die Supporter von Havelse aus nachvollziehbaren Gründen leider nicht anreisen konnten. Ich war alleine unterwegs und wurde herzlich aufgenommen. Eine kleine Runde durch das Stadion wurde angeboten und prompt wahrgenommen. Ich wusste bis dato nicht, dass die älteste Tribüne Norddeutschlands in Eppendorf steht. Besonders beeindruckt hat mich außerdem der großzügig bestückte Merch-Container, der von Nordkaos organisiert wird.
Das Spiel selber plätschert so vor sich hin, jedoch unermüdlich gesanglich begleitet von den Ultrás. Ich hatte das Glück, dass ich in der Kurve einen Aktiven von Tennis Borussia Berlin traf, der sich als engagierter Groundhopper und Eingeweihter in die kreative Arbeit der Berliner Fanszene entpuppte. Ich freue mich schon auf den Besuch der TeBe‘ler in Göttingen.
Die Supporter von Nordkaos luden uns nach dem Spiel noch zu einem Gespräch in die Räumlichkeiten innerhalb der Tribüne ein und präsentierten eine hervorragende Idee, die jedoch erst publiziert werden soll, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Schon einmal Danke für das Engagement!

kutteundtrommel

SONNTAG | 11.45 Uhr | Altona 93 II vs. SC Teutonia 10 | 1:1

Die Zweite von Altona 93 spielte leider nicht auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn, sondern auf einem vereinseigenen Ascheplatz. Selbiger war zwar nicht zwingend angenehm zu bespielen, lag aber immerhin günstig an einer sonntäglichen Wahlroute, die dafür sorgte, dass die Partie doch einige zahlende Gäste rekrutieren konnte. Auch ein paar hartgesottene Supporter, teilweise in Retrokutten, waren vor Ort, um ihren Teil zum Spielerfolg beizutragen. Im Hintergrund machten sich bereits die Deerns (die Mädchenmannschaft) warm.
Wir unterhielten uns länger mit dem Stadionsprecher der ersten Mannschaft, der vor Ort die Kasse machte und, man höre und staune, zum Spiel der Zweiten einen Falter samt Aufkleber aushändigte. Wir haben von ihm eine Menge über die Tücken des Amateursupports im Hamburger Stadtgebiet erfahren.
Leider mussten wir schon vor Ende der zweiten Hälfte los ziehen, um das nachfolgende Spiel von Beginn an erleben zu können. War ja klar, dass wir den Ausgleich deswegen verpassten…

SONNTAG | 14.00 Uhr | HSV Barmbek-Uhlenhorst vs. TuS Germania Schnelsen | 4:0

Knapp 300 Fußballbegeisterte hatten sich an diesem Nachmittag im Barmbeker „Anfield“ eingefunden. Für die Supporter ging es immerhin gegen eine Mannschaft, die wohl vormalig unangenehm aufgefallen war. Entsprechend war die Stimmung. Nur unterbrochen von tanztauglichen Trommeleinlagen, ergoss sich ein wahrer Regen kreativsten Liedgutes über den Platz. Ich muss sagen, dass mich beeindruckt hat, wie unser Kontakter dafür sorgte, dass die Schmähungen gegen den ungeliebten Gegner nicht ins Unkorrekte kippten. Keine leichte Aufgabe bei viel Bier und heterogener Fanszene.
Wir haben in jedem Fall viel gelacht über herrlich-verrückte Songs. Außerdem genossen wir das komprimierten Stadion, das einen so nah ans Spielfeld bringt, dass man bisweilen geneigt ist, den gegnerischen Spieler an der Außenbahn festzuhalten. Schade, dass auch hier schon wieder die Bagger vor der Tür stehen.

Direkt nach Abpfiff ging es dann zurück auf die A7, die uns, wider Erwarten, unbeschadet in Göttingen ausspieh; mit lebhaften Erinnerungen vor Augen und spannenden Gesprächen im Kopf.

[dm (Supporters Crew 05)]

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