[3 FRAGEN] an das „Hammer Pack“ des Hamm United FC

Hamburg ist ein wahres Mekka an GaSa!-Unterstützern. Ein besonders ungewöhnlicher Club der Hansestadt ist der Landesligist Hamm United FC.

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Michael, Euer Club wurde 2005 gegründet und ist daher nicht unbedingt das, was man einen Traditionsclub nennen würde. Was hat es mit dem Hamm United FC überhaupt auf sich? Der Name klingt ja „very british“.

Unser kleiner Club wurde 2005 in einer Bierlaune passenderweise auf einer Auswärtsfahrt gegründet. Das erste Ausrufezeichen setzte man, indem die Gründerväter und -mütter ein Fanfest zur WM 2006 organisierten. Durch gute Kontakte wurde alsbald eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, die innerhalb von drei Jahren aus der Kreisklasse bis in die Landesliga durchmarschierte und seitdem nie schlechter als Platz 6 war. Durch Spieler, wie dem ehemaligen Bundesligaprofi Kevin Hansen, oder den ehemaligen afghanischen Nationalspielers O. Karimi, kam auch ein bisschen Glamour in den Hammer Park.
Immer wieder realisierte man Ideen, die es woanders nicht gab. Zum Beispiel das Bauen eines riesigen Sperrholzkasten, der auch rollbar war, und in dem sich ein Beamer befand. Der wurde dann zum Videowürfel erklärt. Von außen war er von einem ortsansässigen Künstler gestaltet. Das bisschen Extravaganz brachte dem Club leider den Ruf eines Geldvereines ein, der so nie stimmte und hier von mir nicht weiter erörtert werden soll. Dazu kommt, dass im Verein auch immer ein paar Querdenker saßen und sitzen. Daher gab es immer wieder Reibereien mit dem Hamburger Fußballverband; gerne selbst provoziert. Daher auch der Name „Die Geächteten vom Hammer Park“.
Der Bogenschütze, der auch Namensgeber der, leider zu kurzlebigen, Vereinskneipe „ Archer“ war, stellt auch eine Verbindung zu Robin Hood her. Da fängt die britische Affinität an. Viele Gründungsmitglieder haben bis heute auch Kontakte auf die Insel, so dass der eine oder andere Besucher von jenseits des Kanals den Weg nach Hamm fand. Zusammenfassend kann man aber über die Menschen im Verein sagen, dass alle positiv verrückt in Sachen Fußball sind und halt auch mal bereit, andere Elemente aufzugreifen und umzusetzen. Das ist dann wohl auch ein Grund warum sich eine Truppe wie das Hammer Pack hier angesiedelt hat.

Die aktiven Fans vom „Hammer Pack“ sind ja ein ziemlich wilder Haufen. Wie integriert seid ihr im Vereinsleben? Und – das interessiert mich schon sehr – wie lebt es sich ohne „Früher war alles besser!“-Kiebitze?

Das Hammer Pack speist sich vor allen Dingen aus den Subkulturen der Skinheads und Punks. Anfänglich waren es nur ein paar, die auch eher ruhig das Spiel genossen. Da aber der damalige Stadionsprecher den Moment erkannte und das eine oder andere Punk- und Ska-Lied spielte, blieben die Erstbesucher nicht nur, sie brachten auch immer wieder Leute mit. So wurde der Haufen, der blieb, immer größer. 15-20 Enthusiasten sind im Schnitt immer bei den Heimspielen.
Als der Verband noch ein Auge zudrückte und man dem Schiri das ankündigte, war das Zünden von Pyrotechnik auch ein großer Anziehungsfaktor. Leider wird auch auf regionaler Ebene härter durchgegriffen und die Strafen wurden sehr hoch. Da wir keine Ignoranten sind und der Verein inzwischen mehr für uns ist, als reines Freizeitvergnügen und ein Gutteil von uns auch Vereinsmitglieder geworden sind, steht Pyrotechnik nur zu besonderen Spielen zur Debatte.
Es gibt eigentlich einen guten Austausch zwischen Fans und Vereinsseite, auf jeden Fall werden wir nicht einfach geduldet. Mehr für den Verein zu tun liegt sehr in unserem Interesse, deshalb auch die Teilnahme an dieser Initiative.
Das Hammer Pack gibt es seit dem Winter 09/10 und hat seither einiges gemacht, das tatsächlich den Ruf eines „wilden Haufens“ aufkommen lässt. Dazu gehören Osterfeuer frühzeitig zu entzünden, oder das gesamte ausgelobte Freibier eines Sponsors des Buxtehuder SV auszutrinken. Dorthin haben wir zum ersten Mal eine Bustour organisiert, die standesgemäß in einem amerikanischen Schulbus unternommen wurde.
Es aber soll nicht der Eindruck aufkommen, dass wir uns nicht zu benehmen wissen. Bei vielen Vereinen sind wir doch gern gesehen, weil wir den Fußballalltag mal ein bisschen auflockern. Fußball ist uns wichtig. Vor allen Dingen das „Am Platz sein“, und ein guter Support gehört dazu. Das heißt für uns aber nicht, dass wir einen 90 Minuten Dauer-Support machen. Wir haben auch zu viele Lieder, bei denen wir uns selber nicht allzu wichtig und ernst nehmen. Viele der Gesänge sind vom britischen Support beeinflusst oder kurze prägnante Schlachtrufe, wie zum Beispiel das, von Einem angestimmte „Hamm“, das von den Anderen mit einem lauten „United“ erwidert wird. Singen ist allerdings nicht alles. Wir beschäftigen uns auch auf Spruchbändern mit politischen Themen. Hauptsächlich gehen wir dann auf verbandstechnische Belange ein. Wir setzen aber auch Zeichen gegen Faschismus und Rassismus. Dem Trainer wurde nach einem Herzinfarkt via Tapete „Gute Besserung“ gewünscht und ihm ein Foto diese Spruchbandes mit Genesungswünschen überreicht.
Und doch haben auch wir die klassischen Kiebitze die uns dann auch mal kopfschüttelnd anschauen, wenn wir wieder unseren Zinnober betreiben. Im Grunde genommen kommen aber alle recht gut miteinander aus. Wir alle müssen nur mehr aus den Möglichkeiten machen, die wir besitzen.

Zwischen den Zeilen verkauft sich GaSa! als Rettungsaktion für „vergessene“ Traditionsvereine. Wie steht Ihr, als Supporter eines neuen Vereins, zu dieser Sozialromantik? Ist die Initiative da auf einem Holzweg?

Wären wir dabei, wenn wir nicht auch Sozialromantiker wären? Ich selber hoffe, dass einige Menschen erkennen, dass Leute, die im Amateurbereich Vereine supporten, nicht nur da sind, um Remmidemmi zumachen, sondern, dass diesen Leuten der auserwählte Club am Herzen liegt. Dass man mit diesen und anderen Leuten ein Spiel unter freien Himmel genießen und trotzdem guten und spannenden Fußball erleben kann. Unser Traditionsbewusstsein speist sich aus dem Fußball im Allgemeinen und da kommt bei uns wieder das „very british“ ins Spiel.
Wir haben selber Ideen, wie man den Verein und den Amateurfußball besser darstellen kann Es hapert nur mit der Umsetzung, da es viele verschiedene Ideen gibt. Daher glaube ich, dass eine solche Initiative manche Sachen in die richtige Richtung lenken kann und auch der Mut wächst, Dinge umzusetzen. Wenn ich die Resonanzen in den Medien lese, denke ich dass das Interesse da ist und die ersten Schritte getan sind, in eine Zukunft mit mehr Fans bei Amateur-Fußballspielen.

[(?) dm (Supporters Crew 05) | (!) michael (Hammer Pack)]

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