[3 FRAGEN] an die BUsenfreunde des HSV Barmbek-Uhlenhorst

Hamburg wird uns auf der Reise durch die Amateurfanszenen noch öfters begegnen. Dieses Mal machen wir mit den 3 FRAGEN Station beim Oberligisten HSV Barmbek-Uhlenhorst.

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Chris, in den Profiligen wird viel von Tradition gesprochen, dabei genügt der Besuch in einem alten Fußballstadion, um die Geschichte direkt aufzusaugen. Ein Charme, der den neuen Arenen abhanden gekommen ist. Wie wichtig ist die Barmbeker „Anfield“ für eure Identität und wie sieht die Zukunft aus?

Der Wilhelm-Rupprecht-Sportplatz, von uns aufgrund seiner Lage mitten im Wohngebiet und einer gerne erzählten Anekdote, wonach ein Schiedsrichter in den 90ern die Fans zu ein wenig Zurückhaltung aufrief, man sei hier schließlich nicht an der Anfield – liebevoll Barmbeker Anfield genannt, versprüht noch den Charme vergangener, erfolgreicherer Zeiten. Wer sich über die Bande nach vorne beugt,befindet sich schon mitten auf dem Spielfeld. Ein Umstand, der gerade den Schiedsrichterassistenten nicht unbedingt immer gefällt, kann man ihnen doch praktisch im Plauderton die eigene Sicht der Dinge darstellen. Für uns als Fanszene gehört die Anfield zu BU, wie der Hafen zu Hamburg, haben wir doch den Großteil der Vereinsgeschichte dort gespielt. In Zeiten, in denen die kleinen, traditionsreichen Stadien Hamburgs immer häufiger entweder stillgelegt – wie das großartige Marienthaler Stadion, das mittlerweile von der Natur wieder annektiert wird – oder aufgrund irgendwelcher Verbandsauflagen durch hässliche Zäune verunstaltet werden – die Kollegen vom SC Victoria können hiervon ein Lied singen – sind wir natürlich umso glücklicher, eine so schnieke Heimspielstätte unsere Heimat nennen zu dürfen.

Leider sieht die Zukunft nicht so rosig aus. Unser Stadion soll ab der Saison 2015/2016 einem Wohnkomplex weichen und wird komplett abgerissen. Dafür wird uns ein paar hundert Meter weiter ein neues Stadion gebaut. Über genaueres kann eigentlich nur spekuliert werden; fest steht nur, dass wir demnächst auf ungeliebtem Kunstrasen spielen werden und wohl irgendwie eine Sitzplatztribüne geplant ist. Wir sind natürlich auf das Ergebnis gespannt und hoffen, dass man uns von Vereinsseite aus, irgendwie in die Planung der Feinheiten – konkret bspw. die Verschönerung der Fassaden – mit einbezieht.

Durch kurze Distanzen in der Oberliga steigt zum einen zwar die Chance auf mitreisende Gästefans, auf der anderen Seite ist es, bedingt durch die hohe Vereinsdichte auf kleiner Fläche, natürlich auch schwer das eigene Stadion zu füllen. Ist die Oberliga Hamburg eher Fluch oder Segen?

Vorneweg muss man sagen: Kurze Distanzen sind in der Oberliga Hamburg eher relativ zu sehen. Klar, wir fahren nicht, wie in einem Flächenland 3-4 Stunden auswärts, in den vergangenen Jahren sind jedoch immer mehr Vereine aus dem Hamburger Umland in die Oberliga aufgestiegen. Ein Trend, der sich mit dem beinahe bereits feststehenden Aufstieg des Buxtehuder SV fortzusetzen scheint. So sind mittlerweile Auswärtsfahrten mit einem Anfahrtsweg von über einer Stunde keine Seltenheit mehr. Das ist natürlich nicht die Welt, aber durchaus beachtlich für einen Stadtstaat.

Thema Gästefans: In den seltensten Fällen vorhanden. Die Vereine, die Gästefans im eigentlichen Sinne mitbringen, kann man in der jetzigen Oberliga Hamburg an einer Hand abzählen: Altona 93, Buchholz 08 und der FC Elmshorn. Mit Augenzwinkern vielleicht noch der VfL Pinneberg und der Meiendorfer SV. Der Rest bringt ein paar Angehörige der Spieler mit und das wars.

Zur hohen Vereinsdichte muss man sagen, dass sie einerseits natürlich begrüßenswert ist, sind da doch einige Traditionsvereine in Hamburg unterwegs, auf der anderen Seite ist es natürlich problematisch und zwar in zweierlei Hinsicht: Einmal nimmt man sich natürlich gegenseitig die Zuschauer und zweitens – was für unsere kleinen Vereine wohl wichtiger ist – auch die Sponsoren weg. Hierdurch lässt sich eventuell auch die erhöhte Präsenz der Vereine aus dem Hamburger Umland erklären: Es gibt einfach keine Konkurrenz für die dort ansässigen Vereine.

Generell muss man natürlich anmerken, dass wir in Hamburg mit dem HSV und St. Pauli natürlich zwei übermächtige Zuschauermagneten haben, gegen die man als Amateurverein praktisch nicht ankommen kann.

Ach ja, Fluch oder Segen? Ich würde eher Fluch sagen.

Wo seht ihr konkrete Ansätze für euren Verein um die Zuschauerzahlen wieder nach oben steigen zu lassen und inwiefern kann GaSa! dabei eine Hilfe sein?

Man muss leider sagen, dass unser Verein sehr bequem ist. In der oberen Etage ist man vermutlich ganz zufrieden mit der jetzigen Situation: Schniekes – demnächst sogar neues – Stadion, ein paar Fans, eine relativ erfolgreiche Vergangenheit – reicht doch. Ist ja mehr, als die meisten Vereine in Hamburg von sich behaupten können. Fans machen ja auch zusätzliche Arbeit, auf die muss man teilweise ja sogar Rücksicht nehmen. Unser vor etwa einem Jahr neugewählter 1. Vorsitzender hat es jedenfalls bisher nicht für nötig befunden, das Gespräch mit der Fanszene zu suchen. Ein Umstand den wir dann wohl demnächst selbst ändern müssen.

Ein Patentrezept, wie man die Zuschauerzahlen wieder steigern kann, haben wir natürlich nicht. Meiner Meinung am Effektivsten ist das Prinzip des Mitbringens; frei nach der Aussage einer Hamburger Fan-Legende: „Wenn jeder noch einen mitbringt, sind wir schon doppelt so viele.“ Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Leute, die zum ersten Mal zu BU kommen, häufig überrascht sind, wieviel Spaß so ein Amateurspiel machen kann, fernab von Hochglanz-Arenen, Stadionshows, überteuerten Preisen und unsinnigen Sicherheitsmaßnahmen. Oft sieht man diese Leute wieder und das ist der Hebel, den wir momentan ansetzen können.

Zu GaSa! kann ich sagen, dass es erst einmal irgendwie gut tut, zu sehen, dass man nicht alleine dasteht. Hat irgendwie etwas Tröstliches an sich. Dann erhoffen wir uns vor allem einmal neue Ideen. Ein Erfahrungsaustausch ist in den seltensten Fällen verkehrt und wird von uns auch dementsprechend engagiert angegangen – in der Hoffnung auf befruchtende Ideen. An dieser Stelle ein Gruß an Pubertäre oder Spätpubertäre, die jetzt kichern müssen.

[(?) frank (Fanszene Göttingen) | (!) chris (BUsenfreunde)]

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1 Antwort auf „[3 FRAGEN] an die BUsenfreunde des HSV Barmbek-Uhlenhorst“


  1. 1 GoBsv 17. Dezember 2013 um 18:21 Uhr

    Super :) Hoffentlich gibt es es auch mal was über den bsv Rehden zu lesen :D

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