FANKONGRESS 2014 – Ein Resümee

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GASA beim #FANKONGRESS, das war vor allem für uns erst einmal Neuland. Wir waren von Jörn von der Violet Crew (VfL Osnabrück) eingeladen worden. Er zeichnete für die Organisation des Blocks „Im Schatten der Großen“ verantwortlich und war von einem Supporter aus München auf unsere Initiative aufmerksam gemacht worden. Da wir ohnehin ein wenig im Vorbereitungsmodus waren, da ja zu diesem Zeitpunkt auch noch das Vernetzungstreffen in Hamburg anstand, lehnten wir uns gleich einmal ganz weit aus dem Fenster und beantragten auch prompt einen Standplatz, um die Initiative auf dem Kongress zu verorten. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte.

Um den Stand mit Material füllen zu können, packten wir eine Kiste mit Stickern, einen Karton T-Shirts, zwei Kisten nordvier-Ausgaben und eine solide Menge Infopostkarten zusammen. Zwei GASA-Banner (1. SC Göttingen 05 und VfB Oldenburg) sorgten für gute Fernwirkung. Und so erstrahlte unser Tisch auch prompt im bunten Charm der Fankurven.

Neben der Projektleitung aus Göttingen (Supporters Crew 05) waren jeweils eine Handvoll Supporter von Commando Donnerschwee (VfB Oldenburg) und NordKaos (Victoria Hamburg), sowie ein Vertreter der BUsenfreunde (HSV Barmbek-Uhlenhorst) vor Ort. Die Verantwortlichkeiten der anwesenden Szenen wurden dann auch gemäß ihrer Qualitäten zugewiesen. Während Kevin von NordKaos und Tamer von Commando Donnerschwee in den beiden Amateur-Veranstaltungen auf dem Podium saßen, um mit Kompetenz zu glänzen, verbrachten Dirk von der Supporters Crew und Samy von den BUsenfreunden den Großteil der Zeit am Stand, um unschuldig vorbeistreifende Fans anderer Clubs mit Allgemeinplätzen einzulullen.

Der Samstag am Stand begann träge, was wohl vor allem der hohen Veranstaltungsdichte zu verdanken war. Erst einmal ernteten wir distanzierte Blicke. Das Verhältnis von Profifans zu Amateursupportern ist ja bisweilen ein mitleidsvolles, schließlich gibt es ja keinen nachvollziehbaren Grund, die Euphorie einer Steherkurve mit hunderten Ultras gegen ein leeres Stadion mit Kiebitzen (Vögel und Rentner) und sporadisch vorbei ziehenden Rollbüschen einzutauschen. Dieses Klischee galt es zu knacken. Türöffner hierfür sollte die erste Veranstaltung sein, die überraschend gut gefüllt war

[dm (Suppoprters Crew 05)]

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Abseits der DFL: Probleme im Schatten der „Großen“
„(A)mateure Raus? Zu der Notwendigkeit einer eigenen Reserverunde“

In diesem Themenstrang ging es um die U23-Teams der Bundesligisten. Wie verträgt es sich da, dass diese Reserveteams um die Aufstiegsplätze munter mitmischen – sind die „Amateurteams“ Bedrohung oder Bereicherung im oftmals tristen Ligaalltag?

Vorab gab es einen Vortrag von Jörn: „Chronik – Amateurteams raus aus Liga 3! Ein Kampf gegen Windmühlen?“ Mit gutem Bildmaterial zeigte er in seinem Vortrag die Probleme auf, die Reserveteams mit sich bringen und was bisher in Osnabrück von der Fanszene getan wurde, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Darauf folgte Jens Weber vom Fanzine „schwatzgelb.de“ aus Dortmund mit seinem Vortrag, der für die Teilnahme der Reserveteams am normalen Spielbetrieb ist. Derweil warteten wir am Rand des Podiums mit Daniel vom „Ultrà Kollektiv Lübeck“ auf unseren Auftritt. Dann ging es auf das Podium und uns gegenüber war Jens Weber, der mit guten Argumenten begonnen hatte. Wunderbar, dachte ich – da sitzt uns einer gegenüber der bei einem Reserveteam mal eben 2000 Fans oder mehr mobilisiert und dem sollen wir jetzt sagen warum Zweitvertretungen im normalen Spielbetrieb nichts zu suchen haben. Jetzt waren wir angekommen – „im Schatten der Großen“:

Zuerst stellte Daniel den Ligaalltag aus Lübeck vor, schließlich musste man aufgrund der Insolvenz gerade erst absteigen. Nicht schön, was da von der Lohmühle berichtet wird und das in Zeiten, wo Retortenclubs wie Unkraut aus dem Boden sprießen. Danach referierte ich kurz von unsere Erfahrungen aus dem Nirvana des Fußballs in der 4. Liga mit Beispielen aus Braunschweig II, Hannover II. & Hamburg II. In der darauf folgenden Debatte ging es Schlag auf Schlag. Applaus für beide Seiten aus dem Publikum und auf einmal entwickelte sich eine sehr emotionale Diskussion, wo sich dann auch die Zuhörer aus dem Saal immer mehr integrierten. Interessant waren dann die Einblicke, wie der Ligaalltag in der Bayernliga oder in NRW aussieht. Vertreter der Fanszene des Bonner SC gaben an, das man sich bei Ihnen über die kleinen Derbys gegen die II. Mannschaften immer besonders freut in der Saison. Fans von 1860 und Bayern München erzählten, das bei ihnen in der Liga niemand Aufstiegsambitionen hat bis auf die Reserveteams.

Das „Streitgespräch“ entwickelte sich zu einer lebendigen, kontroversen Debatte, an der sich alle im Saal und auf dem Podium gut beteiligt haben. Auch hier gilt, wie überall, es darf nicht pauschalisiert werden. Die Probleme der einzelnen Amateurligen müssen differenziert betrachtet werden. Bei einem waren sich alle einig: Es besteht ein dringender Reformbedarf in den unteren Ligen. Eine Lösung mit der alle zufrieden sind, konnten wir allerdings nicht präsentieren. Nach 65 Minuten läutete Jörn den Kong zum Mittagessen. Wir haben gerne an der Podiumsdiskussion teilgenommen und wenn wir nochmal dürfen sind wir beim nächsten Mal auch besser vorbereitet, um eine noch bessere Struktur miteinbringen zu können. Anschließend wurde in kleiner Runde mit Vertretern von 1860 München & Victoria Hamburg im Markt der Möglichkeiten über die gerade beendete Podiumsdiskussion gemeinsam rezensiert.

[…] Nach der Mittagspause und bis dahin sehr gut geführten Gespräche mit Fans aus dem gesamten Bundesgebiet, lösten wir Dirk vom GASA-Stand im Markt der Möglichkeiten ab. Mit Sammy aus Hamburg (Supporter von HSV Barmbek-Uhlenhorst) lernten wir einen weiteren Mitstreiter der Initiative kennen. Dabei wurden uns interessante Eindrücke aus der Oberliga Hamburg geschildert. Der Stand war nicht so hoch frequentiert, da in den umliegenden Räumen des Runds diverse Veranstaltungen abgehalten wurden. So konnte der Nachmittag ganz „chillig im Kosmos“ genossen werden um sich rechtzeitig ein Stück gefrorenem Kirschkuchen vom Kaffee-Büffet zu sichern. Wir tauschten uns weiter über den jeweiligen Stand der Initiative und die anstehenden Aktionen im laufenden Jahr aus. Bitte Vormerken: „Non League Day – Tag der Amateure“ nach britischen Vorbild, voraussichtlich im Herbst.

[tamer (Commando Donnerschwee)]
> Hier geht es zum kompletten Bericht

Aufstieg, nein danke.
Warum sich viele Vereine zwischen Insolvenz und Bedeutungslosigkeit entscheiden müssen.

Nach Schnacken und Begutachten nachmittags wieder inhaltliche Arbeit. Von uns besuchtes Thema im überfüllten Saal war der Konflikt vieler (Traditions-)Vereine zwischen finanziellem Risiko bis zur Insolvenz und ausbleibendem Erfolg inklusive Bedeutungslosigkeit im gehobenen Amateurbereich. Die inhaltliche Einleitung übernahmen der Fanbeauftragte der Sportfreunde Siegen und der Vorstandsvorsitzende des VfB Lübeck, der in seiner Präsentation sehr detailliert und gut gemacht auf den Werdegang, die Probleme und die Neuaufstellung der Schleswig-Holsteiner einging. Das Podest war interessant besetzt mit Vertretern von Red Kaos Zwickau, der Szene E Reutlingen, dem sportlichen Leiter Reutlingens, dem Präsidenten Osnabrücks, einem Mitglied der Lübecker Ultras, dem oben erwähnten Vorstandsvorsitzenden der Marzipanstädter und einem Mitglied von Nordkaos, welches auch repräsentierend für „Glotze aus, Stadion an!“ auftrat. Unser Vertreter machte seine Sache übrigens gut, da sind sich ja wohl alle einig! ;-)

Nach vielen Beispielen für Ursachen, Probleme und Chancen diverser Vereine konkretisierte sich die Diskussion verstärkt auf den Punkt, wie weit sich aktive Vereinsarbeit in Gremien und wichtigen Posten mit Vertretung zentraler Ideale der Ultrá-Kultur in Einklang bringen lässt. Denn wenn man sich z.B. vorstellt, gegenüber der eigenen Gruppe zugelassene Stadionverbote oder andere Einschränkungen und unangenehme Entscheidungen rechtfertigen zu müssen, hört es wohl doch auf. Auf alle Fälle schwierig, hier muss jeder seinen eigenen Umgang finden, klar. Dennoch betonten viele, welche Chancen es bietet, die unentgeltliche Leidenschaft der eigenen Fans in die Vereinsarbeit kleiner Clubs zu integrieren und diese gemeinsam wieder nach oben zu führen.

[kevin (NordKaos)]

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Da Kevin, unser Podiumsteilnehmer, nicht müde wurde, unsere Initiative zu propagieren, fanden sich nach der Veranstaltung dann auch einige Fans zur Nachdiskussion am Stand auf dem „Markt der Möglichkeiten“ ein. So kam es u.a. zu Gesprächen mit Supportern des Bonner SC, Sportsfreunde Siegen, FC Bayern München und 1860 München. Thema Nummer 1 war natürlich die Problemlage der Zweitvertretungen in den Amateurligen und die unsägliche Bayern-Regionalliga. Darüber hinaus waren die Gespräche mit den Standnachbarn von der Uni Kassel und „Fußballfans gegen Homophobie“ mehr als nur Lückenfüller in der mauen Phase während der Veranstaltungen.

Wirklich eingeschlagen hat dann aber der Sonntag, der viel mehr Raum für Gespräche mit „Persönlichkeiten“ und Medien bot. Dabei führten wir ein intensiver Gespräch mit Marc Quambusch von „Kein Zwanni“, zu dem wir auch vorher schon per Mail Kontakt hatten und der ein Sympathisant von GASA der ersten Stunde ist. Er hatte bereits 11 FREUNDE für den „Tag der Amateure“ interessieren können und den DFB darauf angespitzt, so dass wir jetzt recht optimistisch sagen können, dass der deutsche (und schweizerische) Non League Day nicht mehr nur eine fixe Idee ist. (Seit dem Fankongress ist da auch noch mehr in Bewegung).

Zusammenfassend kann man sagen, dass der FANKONGRESS eine besondere Erfahrung war und dass der Themenblock „Amateure“ eine besondere Aufmerksamkeit genossen hat, von der wir unseren Teil abschöpfen konnten. Was unser Wirken vor Ort mittelfristig gebracht hat, wird sich zeigen müssen, gelohnt hat sich der Austausch allemal.

[dm (Supporters Crew 05)]

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