[ZUR SACHE] Der LSK und das längste Auswärtsspiel der Welt

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Für GASA zu arbeiten, bedeutet konsequenterweise auch die Sache des Amateurfußballs per se, ganz ohne Vereinsbrille, zu lieben. Besonders schwer wird uns ums Herz, wenn es um den Verfall oder den Abriss traditioneller Sportstätten geht. Dieses Schicksal ereilt derzeit ein paar Stadien, unter anderem den Stammplatz des Lüneburger SK. Wir konnten einen Eingeweihten aus der LSK-Fanszene für einen Bericht zu den Entwicklungen rund um das Ende des legendären Wilschenbruch gewinnen:

Der LSK und das längste Auswärtsspiel der Welt

Der Lüneburger SK von 1901 e.V. ist mit dem 1. April diesen Jahres endgültig Geschichte – und das ist kein Aprilscherz! Nachdem das Insolvenzverfahren des Vereins nach 13 Jahren mit der Übergabe des Stadions in Wilschenbruch und der damit verbundenen Veräußerung aller Liegenschaften des Vereins abgeschlossen werden kann. Die sportlichen Belange hat schon seit 2008 der indirekte Nachfolger, der Lüneburger SK Hansa von 2008 e.V. (nach dem kurzen Intermezzo als FC Hansa Lüneburg), übernommen und wird diese zukünftig übergangsweise an seiner neuen Wirkungsstätte in Bardowick (ca. 7 km von Lüneburg entfernt) weiterführen. In einigen Jahren ist eine neue Beheimatung auf dem Gelände, das derzeit noch von der Bundeswehr genutzt wird, an der Theodor-Körner-Kaserne am Stadtrand Lüneburgs geplant. Jedoch ist es mehr als fraglich, ob an dieser Wirkungsstätte der Charme eines Fußballstadions entstehen wird, wie er im Wilschenbruch zu finden war, da es sich um einen Rasenplatz mit Laufbahn handelt, der bisher keine weiteren stadiontypischen infrastrukturellen Merkmale aufweist und mit finanziellen Hilfen/Unterstützung von städtischer Seite – wie die Vergangenheit sehr deutlich gezeigt hat – nicht zu rechnen ist. Folglich ist der Verein weitestgehend auch zukünftig wieder auf sich alleine gestellt. Dieser für ca. 2016 prognostizierte Umzug kann für die LSK-Fans nur als ein erster Schritt angesehen werden, um überhaupt wieder einen Anlaufpunkt am Stadtrand Lüneburgs zu haben. Die Gründe für die Insolvenz in der Saison 2000/01 in der damaligen zweigeteilten dritten Bundesliga mit namhaften Gegnern wie Fortuna Düsseldorf oder Union Berlin, um nur einige zu nennen, gehen jedoch schon mindestens bis in die Anfänge der 90er Jahre zurück. Seitdem hatte der Verein selten ein Geschäftsjahr in dem auf den Mitgliederversammlungen ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt worden ist. Die Gründe für die Insolvenz waren also nicht alleine dem Drittligaaufstieg im Jahre 1999/2000 geschuldet, sondern waren auch teilweise das Ergebnis jahrelanger Misswirtschaft. Darüber hinaus soll an dieser Stelle jedoch auch nicht unerwähnt bleiben, dass damals von den Banken Kredite gewährt wurden, die unter normalen Umständen wohl niemals hätten gegeben werden dürfen. Diese wurden übrigens vom Aufsichtsrat jenes Institutes genehmigt in dem auch namhafte lokale Politiker saßen, die später das Schicksal des LSK-Stadions besiegelt haben. Das Fazit aus den Jahren der Misswirtschaft und der fehlenden Unterstützung der lokalen Wirtschaft sowie der örtlichen Politik ist auf jeden Fall, dass der LSK nach 110 Jahren sein Stadion mit den beiden angrenzenden Trainingsplätzen, der ältesten Holztribüne und der Tennisanlage räumen muss und vorerst in einer der nächsten Ortschaften zur Zwischenmiete untergekommen ist. Die Jugendmannschaften wurden auf umliegende Plätze in und außerhalb Lüneburgs verteilt. Die zukünftige Lüneburger Option auf dem Gelände der Theodor-Körner-Kaserne wurde bisher nur mündlich zugesagt und es wird sich zeigen wie schnell und wie verbindlich sich diese Zusagen nach der Oberbürgermeisterwahl Ende Mai 2014 erweisen werden und ob ein wirklicher Umsetzungswille besteht.

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Der Wilschenbruch hatte zum Abschluss am 23. März beim Ligaspiel gegen Drochtersen nochmal zahlreiche Zuschauer und auch Groundhopper aus ganz Deutschland (Freiberg (Sachsen), Leipzig, Hannover, Kiel, Wolfsburg, Goslar, Köln, Duisburg, Mainz, Rostock etc.) an die alte Wirkungsstätte gelockt und 1.600 Zuschauer bescherten dem Stadion einen würdigen Abschied. Das zeigt was der LSK und sein Stadion für einen Stellenwert in Deutschland genießt bzw. genossen haben. An dieser Stelle soll auch noch einmal kurz die tolle Aktion auf www.lsk-umzugshelfer.de erwähnt werden mit der der Verein über Spenden seinen Umzug und den Abbau aller noch verwertbaren Gegenstände aus dem alten Stadion finanziert, die teilweise in Bardowick wiederverwendet werden.

Jedoch kommt nach jedem Abschied meistens auch ein Neuanfang und es entstehen neue Möglichkeiten zur Entfaltung. Nachdem die LSK-Fanszene nach dem Ausscheiden der Ultras Mitte 2008, die die zwischenzeitliche Umbenennung in den FC Hansa Lüneburg nicht mittragen wollten, ziemlich lethargisch und passiven dahin dümpelte, haben sich in letzter Zeit wieder die alten Fans zusammengefunden und auch wieder gemeinsame Aktionen gestartet. Alle sind ein wenig mehr zusammengerückt. Das soll jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass auch die LSK-Fanszene eine recht hohe Altersstruktur hat. Mit dem angestrebten Regionalligaaufstieg hoffen wir auch wieder vermehrt jüngere Zuschauer in der neuen Kurve in Bardowick begrüßen zu dürfen. Denn nur höherklassiger, attraktiver Fußball mit namhaften Gegnern lockt in Zeiten der Übersättigung und –kommerzialisierung im Fernsehen neue und jüngere Zuschauer, die sich für den LSK begeistern könnten.

[Supporter Nord (Fanszene LSK)]

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1 Antwort auf „[ZUR SACHE] Der LSK und das längste Auswärtsspiel der Welt“


  1. 1 (Ex-) Wilschenbrucher 02. April 2014 um 13:15 Uhr
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