[ZUR SACHE] „Glotze aus, Stadion an!“ – Aber doch bitte nicht um 10:45 Uhr!

nordkaoszaunfahne

Auf dem ersten GASA-Treffen in Hamburg Ende 2013 bestand Konsens darin, dass Amateurfußball für Zuschauer (wieder?) „cool“ gemacht werden müsse und dass dafür vor allem auch mit unterschiedlichen Medien gearbeitet werden müsse. Ich denke aber, dass sich anhand der aktuellen Ereignisse rund um das Hamburger Pokalhalbfinale zwischen Victoria und Paloma gut zeigen lässt, dass ein Punkt, der beim Netzwerktreffen relativ am Rande (so zumindest meine Empfindung) behandelt wurde, mehr ins Zentrum gerückt werden muss.

Seitdem es hieß, dass jenes Pokalspiel am Osterwochenende stattfinden soll, ging alle Welt davon aus, dass ja wohl am Montagnachmittag gespielt würde. Da sollten die über Ostern-Wegfahrer wieder im Lande sein und auch etwaige Festivitäten mit der Familie sollten abgehakt sein, sodass mit einer einem Pokalhalbfinale entsprechenden Kulisse zu rechnen wäre. Nun ist Paloma aber unter anderem dafür berühmt, sonntags um 10:45 Uhr seine Heimspiele auszutragen. Aber an Ostermontag um viertel vor elf, das bringt doch keiner, oder? Nein, das bringt tatsächlich keiner. Stattdessen findet das Spiel an Karfreitag um 10:45 Uhr statt. Ein Tag, der ansonsten eher mit Ruhe und Demut verbunden wird. An einem Tag, an dem überall sonst in Deutschland der Ball ruht. Einem Tag, bei dem davon auszugehen ist, dass viele potentiell Interessierte im Kurzurlaub sind bzw. sich auf dem Weg dorthin befinden. Und dann nicht einmal mehr am Nachmittag, nein, am Vormittag soll gespielt werden. Einen für Zuschauer sehr viel beschisseneren Termin hätte man sich wohl nicht erdenken können. Paloma bildet sich natürlich ein, dass dieser frühe Anstoßzeitpunkt gepaart mit dem Grandplatz ein Vorteil für sie ist. Klar, wenn der Regionalligist auf den Landesligisten trifft, ist jedes Mittel recht.

Allerdings ist das sehr kurzfristig vom USC gedacht. Denn sollten sie ausscheiden, haben sie weder das Pokalfinale erreicht, noch alle potentiell möglichen Einnahmen im Halbfinale erzielt. Und wie wichtig Zuschauereinnahmen für Amateurfußballvereine ist, muss keinem gesagt werden. Hinzu kommt nebenbei bemerkt noch, dass auch dem SCV Gelder entgehen, weil im Pokal Einnahmen aus Eintrittsgeldern geteilt werden. So verschenken die Tauben eine goldene Möglichkeit Gastgeber eines Fußballfests zu sein. David gegen Goliath, Favorit gegen Underdog, am Ende eines langen Wochenendes vor vielen Zuschauern: Das sind die Spiele, mit denen der Amateurfußball auf sich aufmerksam machen kann und muss. Ein Spiel an einem Freitagvormittag vor Eingeweihten ist in dieser Hinsicht nur Gift!

Ich glaube, um mal den Bogen zurück zu GASA zu schlagen, dass viele Vereine das Problem Zuschauer gar nicht so sehr auf dem Schirm haben wie wir dachten. Bisher war ich, und ich denke da war ich nicht der einzige, irgendwie ohne groß darüber nachzudenken davon ausgegangen, dass die kleinen Vereine alle mal wieder mehr Zuschauer auf den Plätzen sehen wollen und sich der Problematik bewusst sind. Indirekt stimmt das wahrscheinlich auch. Sie meckern ja schließlich genug darüber, dass sich keine Sponsoren finden lassen, was natürlich direkt damit zu tun hat, dass kaum einer sich die Spiele anschaut. Auch trauern sie den Zeiten nach, wo zehntausende Menschen Oberligaspiele sehen wollten. Was zu fehlen scheint ist die Erkenntnis, dass man als Verein halt auch mal was dafür tun muss, dass mehr Zuschauer kommen. Stattdessen wird wegen eines vermeintlichen und wahrscheinlich marginal kleinen Vorteils auf sportlicher Ebene ein Spiel so angesetzt, dass es für möglichst wenige Menschen attraktiv ist. Und ich glaube der Einzelfall Paloma ist gar keiner. Mein (äußerst empirisches) Gefühl sagt mir, dass viele der Ehrenamtlichen, die in Amateurvereinen tätig sind, es sich ein wenig bequem gemacht haben zwischen auf der einen Seite Meckern und Klagen über mangelnde Zuschauer und auf der anderen Seite nichts weiter dagegen unternehmen und auf gar keinen Fall auch mal überlegen, was man selbst tun könnte, um die Situation zu verbessern.

Zusammenfassend denke ich, dass GASA, neben der nach wie vor wichtigen Arbeit auf der Ebene der Medien u.ä., auch noch ganz viel bei den einzelnen Vereinen erreichen muss. Es muss nicht nur bei den potentiellen Zuschauern ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Amateurfußball „cool“ ist. Auch den Vereinen selbst muss aktiv und offensiv klar gemacht werden, dass die Zuschauerproblematik eine ist, die sie alle etwas angeht und an der sie vor allem auch alle arbeiten können und müssen. Denn gegen den Widerstand der Vereine lassen sich keine Menschen in die Stadien und auf die Sportplätze locken! Nur wenn es gelingt GASA hier als kompetenten Partner zu positionieren, kann die Initiative weiter aufblühen.

[zuerst erschienen im KaosFlyer (NordKaos | SC Victoria Hamburg)]

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