LOKALRUNDE 2015 – Ein Resümee

Am 5. und 6. September fand bei 42 deutschen und Schweizer Amateurclubs LOKALRUNDE – Tage des Amateurfußballs statt und wir von GASA können mit Fug und Recht sagen, dass der Veranstaltungsrahmen in Deutschland eine wichtige Hürde genommen hat. Warum nur in Deutschland? Dazu später mehr …

Neu im Team der Koordinatoren und Regionalkontakter war seit diesem Jahr der umtriebige Normannia Gmünd-Fan Hansjürgen Jablonski, der mit seinem Blog SPÄTZLEKICK die Amateurfußball-Geschehnisse im Südwesten Deutschlands im Blick hat. Er sorgte dafür, dass bei LOKALRUNDE 2015 endlich auch einmal Vereine südlich des „Weißwurst-Äquators“ teilnahmen. Ein Umstand, der uns für 2016 hoffnungsvoll stimmt.
Mit Ashley Greb hatte zudem ein ehemaliger Mitarbeiter des englischen Non-League Day den Weg in unser Team gefunden. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, den Kontakt zur Insel zu pflegen und Groundhopping-Anfragen zu beantworten. Darüber hinaus ist Ashley auch noch ein großartiger Fußball-Fotograf, auf dessen Fotos wir im nächsten Jahr für LOKALRUNDE zurück greifen werden.

Die zweite LOKALRUNDE war für uns auch eine Nagelprobe, denn wir wollten die Clubs und Fanszenen stärker in die Veranstaltung einbinden und anders, als im ersten Jahr, keine Blindmeldungen im MATCHFINDER haben. Im konkreten hieß das, dass wir nicht mehr jedem Fußballinteressierten die Möglichkeit gaben, Spiele für LOKALRUNDE zu melden, sondern dass wir die Anmeldung auf Vereins- bzw. Fanclub-Mitglieder beschränkten. Mit der Einrichtung des neuen Online-Melde-Formulars senkten wir dafür die Schwelle bei der Anmeldung und vereinfachten uns Kontaktern die Übertragung der Spiele in den MATCHFINDER.
Ein großer Dank gilt hierbei unserem ehrenamtlichen Webdesigner Johannes Steu, der das alles überhaupt erst möglich machte!


[Karte der Clubs bei LOKALRUNDE 2015]

Dass zweite Veranstaltungen allgemein härter zu bestellen sind, war uns klar.
Insbesondere die Medien kamen 2015 nur sehr schleppend in die Gänge und die meisten Zeitungen und Plattformen zogen sich auf die Spieltags-Berichterstattung zurück. Das hilft der Veranstaltung jedoch weit weniger, als eine frühzeitige Ankündigung – verbunden mit der Aufforderung an die Clubs, sich für LOKALRUNDE zu melden.
Wir hoffen, dass wir 2016 da frühzeitiger Unterstützung erhalten. Ausnahmen waren auch in diesem Jahr wieder die Hamburger Plattformen und die Lüneburger Zeitung. Der Erfolg der regionalen Unterstützung lag dann auch prompt in Anmeldungen auf der Hand, bzw. auf dem Matchfinder. Im Bereich Pressearbeit ist also noch Luft nach oben; sowohl von unserer Seite, als auch von Seiten der Partner.
Da wir aber inzwischen einen starken Stamm von aktiven Gruppen und Clubs haben, mussten wir uns keine Sorge machen, dass die „Tage des Amateurfußballs“ einbrechen. In einigen Ecken des Landes sind sie ein regelrechter Selbstläufer geworden, wo die Vereine beim Staffeltag sogar versuchen, sich ein Heimspiel zu organisieren.


[Choreo der Gülzower Support Elite des TSV Gülzow]


[Choreo von Block H des SV Altlas Delmenhorst]

Ein zweischneidiges Schwert ist der Umgang der Verbände mit LOKALRUNDE. Einerseits ist uns der DFB in der Sache grundsätzlich wohlgesonnen, was sich auch in diesem Jahr positiv in einem Bericht bei fussball.de niederschlug, andererseits merken wir immer wieder, dass LOKALRUNDE als Konkurrenz zu bestehenden Kampagnen und dem Fußballbetrieb im Allgemeinen wahrgenommen wird. Es sei daher nochmal gesagt: LOKALRUNDE ist weder eine Konkurrenzveranstaltung zur Amateurinitiative des DFB, noch ein Versuch, den Ligabetrieb auszuhöhlen. Wenn ein Regionalverband Vereinen das Aufhängen der LOKALRUNDE-Spieltagsplakate untersagt, empfinden wir das als ziemlich kleingeistig und überflüssig.
GASA will mit LOKALRUNDE die Sache des Amateurfußballs positiv voran bringen. Wir gehen dabei etwas direkter vor, als andere, weil wir ein Unterstützernetzwerk von Fanszenen hinter uns haben, die oftmals etwas kompromissloser in der Unterstützung ihres Amateurclubs sind, als es den Verbänden möglich ist. Aber gerade hier besteht eine Möglichkeit des Schulterschlusses, denn die aktiven Fans der niedrigklassige Vereine können mit ihrer Arbeit direkt am Kern von Problemen ansetzen und intelligente Konzepte zur Förderung des Fußballs, wie wir ihn lieben, werden sicher gerne gemeinsam gestemmt.

Für LOKALRUNDE 2015 hatten wir auch erstmals zu Charity-Aktionen aufgerufen und zwar zu Gunsten von Flüchtlingsprojekten im Fußball. Einige Vereine und Fanszenen nutzen die Gelegenheit, sammelten Spenden und machten darüber hinaus aus dem Heimspieltag eine offenes Sportfest für alle Menschen. Das war großartig!
Wir werden diesen Ansatz, den wir vom Non-League Day übernommen haben, im nächsten Jahr intensivieren.


[Spendenaktion des SV Eichede und der Fangruppe Alkatras]


[Flüchtlinge Willkommen! beim ESV Lüneburg]

Leider gibt es für LOKALRUNDE 2016 auch eine schlechte Nachricht zu vermelden: Die Schweiz wird künftig nicht mehr Teil der Veranstaltung sein. Hier lasse ich einfach mal den Koordinator des Alpenlandes, Daniel Kessler, zu Wort kommen:

Voller Elan ging es 2014 an die erste Austragung der Lokalrunde in der Schweiz. In Ermangelung von Fanszenen im Schweizer Amateurfussball war uns bewusst, dass wir in der Schweiz die Vereine für die Idee gewinnen mussten. Überzeugt von der Idee hinter der Lokalrunde und dem niedrigschwelligen Einstieg für die Vereine (vieles spricht für eine Teilnahme, offensichtlich nichts dagegen), war man überzeugt das der Tag des Amateurfussballs Fuss fassen würde. Das sich die Verbände skeptisch gegenüber einer Idee von ausserhalb zeigten, überraschte uns nicht. Im ersten Jahr wurden alle Ostschweizer Vereine der 3. und 4. Leistungsstufe sowie alle Thurgauer und St. Galler Vereine zwischen der 4. und 6. Leistungsstufe angeschrieben. Total etwa 80 Vereine. Die ersten Teilnehmer waren, wenig überraschend, die einzigen Ostschweizer Vereine mit kleinen Fangruppen bzw. ambitionierten Vorständen, der FC Kreuzlingen (mein Heimatverein) sowie der FC Gossau und der SC Brühl St. Gallen. Schlussendlich wurden neun Schweizer Partien für die erste Lokalrunde gemeldet, was unter den Erwartungen lag, aber fürs erste Jahr noch unter passabel zu verbuchen galt. Das Medienecho war dafür sehr gut, regionale wie auch überregionale Zeitungen berichteten teils ausführlich, vom Fussballfachmagazin über Boulevardblätter, regionalen Tageszeitungen bis zum Schweizer Radio. Allein zum Heimspiel des FC Kreuzlingen kamen mehr als ein halbes Dutzend Reporter. Die Vereine welche das Spiel zusätzlich bewarben, kamen auch auf deutlich höhere Zuschauerzahlen. Diese kleinen Erfolge übertünchten den ersten Eindruck den man schon im ersten Jahr gewann, auf einen „Tag des Amateurfussballs“ hatte in der Schweiz niemand gewartet, wie die Anmeldungen zeigten.
Im Folgejahr sollte eine Steigerung her. Nachdem die Verbände erneut sehr reserviert reagierten, wurden über 100 Vereine in der Ost- und Innerschweiz angeschrieben. Das Resultat war sehr ernüchternd, gerade drei Anmeldungen, davon eine vom eigenen Verein. In persönlichen Gesprächen mit Vereinsvertretern wurde die Gleichgültigkeit gegenüber der Lokalrunde überdeutlich. Während die Lokalrunde in Deutschland auch von zahlreichen Fangruppen im Amateurfussball getragen werden kann, ist dieser Background in der Schweiz mit gerade mal einer Handvoll sehr kleiner Fangruppen im Amateurfussball nicht gegeben. Die Aussage des Schweizer Fussballmagazin „Zwölf“ zur Lokalrunde „man könnte meinen, es gäbe keinen Grund nicht mitzumachen“ reichte nicht, es ist uns nicht gelungen die Vereine von der Lokalrunde zu überzeugen. Nach zwei Jahren Bewerbung des Anlasses sind wir nicht über den Tellerrand der bereits für ihr Engagement bekannten Vereine in der Ostschweiz (Kreuzlingen, Gossau, Brühl) herausgekommen. Genau die gleichen Erfahrungen machte unser Regional-Kontakter in der Innerschweiz, auch hier viel Bewerbung und praktisch keine Resonanz auf den Anlass.
In der Schweiz mit ihren wenigen ambitionierten Vereinen im Amateurfussball scheint die Lokalrunde nicht zu funktionieren und ein weiteres Jahr Aufwand für so wenig Ertrag wollten wir uns nicht antun. Wir wünschen der Lokalrunde aber in Deutschland, wo es zweifelsohne ganz andere Möglichkeiten gibt, viel Erfolg und bleiben Euch natürlich verbunden!

Wir wollen uns im Namen von GASA und den LOKALRUNDE-Team ganz herzlich bei der emsigen Unterstützung unserer schweizer Projektteilnehmer bedanken und verbleiben mit der Hoffnung, dass es vielleicht eines Tages eine positivere Entwicklung vor Ort gibt.

Nichts desto trotz freuen wir uns sehr auf LOKALRUNDE 2016 und haben schon ein paar Ideen, wie wir die Veranstaltung präsenter gestalten können. Nach zahlreichen Anfragen in diesem Jahr, haben wir entschieden, dass die „Tage des Amateurfußballs“ ab nächstem Jahr von Freitag bis Sonntag stattfinden werden. Das wird vor allem auch die Groundhopper freuen, die dann ein ganzes Wochenende LOKALRUNDE mitnehmen können.
Außerdem wollen wir unser Team der Regionalkontakter erweitern, um mehr Ansprechpartner für die Presse vor Ort anzubieten und natürlich unsere Kompetenz in Sachen „Regionale Befindlichkeiten“ zu verbessern. Es gibt noch viele weiße Flecken auf der Landkarte.
In diesem Sinne: Support your local club!

[dm (supporters crew 05)]

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