3 Fragen

[3 FRAGEN] an die BUsenfreunde des HSV Barmbek-Uhlenhorst

Hamburg wird uns auf der Reise durch die Amateurfanszenen noch öfters begegnen. Dieses Mal machen wir mit den 3 FRAGEN Station beim Oberligisten HSV Barmbek-Uhlenhorst.

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Chris, in den Profiligen wird viel von Tradition gesprochen, dabei genügt der Besuch in einem alten Fußballstadion, um die Geschichte direkt aufzusaugen. Ein Charme, der den neuen Arenen abhanden gekommen ist. Wie wichtig ist die Barmbeker „Anfield“ für eure Identität und wie sieht die Zukunft aus?

Der Wilhelm-Rupprecht-Sportplatz, von uns aufgrund seiner Lage mitten im Wohngebiet und einer gerne erzählten Anekdote, wonach ein Schiedsrichter in den 90ern die Fans zu ein wenig Zurückhaltung aufrief, man sei hier schließlich nicht an der Anfield – liebevoll Barmbeker Anfield genannt, versprüht noch den Charme vergangener, erfolgreicherer Zeiten. Wer sich über die Bande nach vorne beugt,befindet sich schon mitten auf dem Spielfeld. Ein Umstand, der gerade den Schiedsrichterassistenten nicht unbedingt immer gefällt, kann man ihnen doch praktisch im Plauderton die eigene Sicht der Dinge darstellen. Für uns als Fanszene gehört die Anfield zu BU, wie der Hafen zu Hamburg, haben wir doch den Großteil der Vereinsgeschichte dort gespielt. In Zeiten, in denen die kleinen, traditionsreichen Stadien Hamburgs immer häufiger entweder stillgelegt – wie das großartige Marienthaler Stadion, das mittlerweile von der Natur wieder annektiert wird – oder aufgrund irgendwelcher Verbandsauflagen durch hässliche Zäune verunstaltet werden – die Kollegen vom SC Victoria können hiervon ein Lied singen – sind wir natürlich umso glücklicher, eine so schnieke Heimspielstätte unsere Heimat nennen zu dürfen.

Leider sieht die Zukunft nicht so rosig aus. Unser Stadion soll ab der Saison 2015/2016 einem Wohnkomplex weichen und wird komplett abgerissen. Dafür wird uns ein paar hundert Meter weiter ein neues Stadion gebaut. Über genaueres kann eigentlich nur spekuliert werden; fest steht nur, dass wir demnächst auf ungeliebtem Kunstrasen spielen werden und wohl irgendwie eine Sitzplatztribüne geplant ist. Wir sind natürlich auf das Ergebnis gespannt und hoffen, dass man uns von Vereinsseite aus, irgendwie in die Planung der Feinheiten – konkret bspw. die Verschönerung der Fassaden – mit einbezieht.

Durch kurze Distanzen in der Oberliga steigt zum einen zwar die Chance auf mitreisende Gästefans, auf der anderen Seite ist es, bedingt durch die hohe Vereinsdichte auf kleiner Fläche, natürlich auch schwer das eigene Stadion zu füllen. Ist die Oberliga Hamburg eher Fluch oder Segen?

Vorneweg muss man sagen: Kurze Distanzen sind in der Oberliga Hamburg eher relativ zu sehen. Klar, wir fahren nicht, wie in einem Flächenland 3-4 Stunden auswärts, in den vergangenen Jahren sind jedoch immer mehr Vereine aus dem Hamburger Umland in die Oberliga aufgestiegen. Ein Trend, der sich mit dem beinahe bereits feststehenden Aufstieg des Buxtehuder SV fortzusetzen scheint. So sind mittlerweile Auswärtsfahrten mit einem Anfahrtsweg von über einer Stunde keine Seltenheit mehr. Das ist natürlich nicht die Welt, aber durchaus beachtlich für einen Stadtstaat.

Thema Gästefans: In den seltensten Fällen vorhanden. Die Vereine, die Gästefans im eigentlichen Sinne mitbringen, kann man in der jetzigen Oberliga Hamburg an einer Hand abzählen: Altona 93, Buchholz 08 und der FC Elmshorn. Mit Augenzwinkern vielleicht noch der VfL Pinneberg und der Meiendorfer SV. Der Rest bringt ein paar Angehörige der Spieler mit und das wars.

Zur hohen Vereinsdichte muss man sagen, dass sie einerseits natürlich begrüßenswert ist, sind da doch einige Traditionsvereine in Hamburg unterwegs, auf der anderen Seite ist es natürlich problematisch und zwar in zweierlei Hinsicht: Einmal nimmt man sich natürlich gegenseitig die Zuschauer und zweitens – was für unsere kleinen Vereine wohl wichtiger ist – auch die Sponsoren weg. Hierdurch lässt sich eventuell auch die erhöhte Präsenz der Vereine aus dem Hamburger Umland erklären: Es gibt einfach keine Konkurrenz für die dort ansässigen Vereine.

Generell muss man natürlich anmerken, dass wir in Hamburg mit dem HSV und St. Pauli natürlich zwei übermächtige Zuschauermagneten haben, gegen die man als Amateurverein praktisch nicht ankommen kann.

Ach ja, Fluch oder Segen? Ich würde eher Fluch sagen.

Wo seht ihr konkrete Ansätze für euren Verein um die Zuschauerzahlen wieder nach oben steigen zu lassen und inwiefern kann GaSa! dabei eine Hilfe sein?

Man muss leider sagen, dass unser Verein sehr bequem ist. In der oberen Etage ist man vermutlich ganz zufrieden mit der jetzigen Situation: Schniekes – demnächst sogar neues – Stadion, ein paar Fans, eine relativ erfolgreiche Vergangenheit – reicht doch. Ist ja mehr, als die meisten Vereine in Hamburg von sich behaupten können. Fans machen ja auch zusätzliche Arbeit, auf die muss man teilweise ja sogar Rücksicht nehmen. Unser vor etwa einem Jahr neugewählter 1. Vorsitzender hat es jedenfalls bisher nicht für nötig befunden, das Gespräch mit der Fanszene zu suchen. Ein Umstand den wir dann wohl demnächst selbst ändern müssen.

Ein Patentrezept, wie man die Zuschauerzahlen wieder steigern kann, haben wir natürlich nicht. Meiner Meinung am Effektivsten ist das Prinzip des Mitbringens; frei nach der Aussage einer Hamburger Fan-Legende: „Wenn jeder noch einen mitbringt, sind wir schon doppelt so viele.“ Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Leute, die zum ersten Mal zu BU kommen, häufig überrascht sind, wieviel Spaß so ein Amateurspiel machen kann, fernab von Hochglanz-Arenen, Stadionshows, überteuerten Preisen und unsinnigen Sicherheitsmaßnahmen. Oft sieht man diese Leute wieder und das ist der Hebel, den wir momentan ansetzen können.

Zu GaSa! kann ich sagen, dass es erst einmal irgendwie gut tut, zu sehen, dass man nicht alleine dasteht. Hat irgendwie etwas Tröstliches an sich. Dann erhoffen wir uns vor allem einmal neue Ideen. Ein Erfahrungsaustausch ist in den seltensten Fällen verkehrt und wird von uns auch dementsprechend engagiert angegangen – in der Hoffnung auf befruchtende Ideen. An dieser Stelle ein Gruß an Pubertäre oder Spätpubertäre, die jetzt kichern müssen.

[(?) frank (Fanszene Göttingen) | (!) chris (BUsenfreunde)]

[3 FRAGEN] an das „Hammer Pack“ des Hamm United FC

Hamburg ist ein wahres Mekka an GaSa!-Unterstützern. Ein besonders ungewöhnlicher Club der Hansestadt ist der Landesligist Hamm United FC.

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Michael, Euer Club wurde 2005 gegründet und ist daher nicht unbedingt das, was man einen Traditionsclub nennen würde. Was hat es mit dem Hamm United FC überhaupt auf sich? Der Name klingt ja „very british“.

Unser kleiner Club wurde 2005 in einer Bierlaune passenderweise auf einer Auswärtsfahrt gegründet. Das erste Ausrufezeichen setzte man, indem die Gründerväter und -mütter ein Fanfest zur WM 2006 organisierten. Durch gute Kontakte wurde alsbald eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, die innerhalb von drei Jahren aus der Kreisklasse bis in die Landesliga durchmarschierte und seitdem nie schlechter als Platz 6 war. Durch Spieler, wie dem ehemaligen Bundesligaprofi Kevin Hansen, oder den ehemaligen afghanischen Nationalspielers O. Karimi, kam auch ein bisschen Glamour in den Hammer Park.
Immer wieder realisierte man Ideen, die es woanders nicht gab. Zum Beispiel das Bauen eines riesigen Sperrholzkasten, der auch rollbar war, und in dem sich ein Beamer befand. Der wurde dann zum Videowürfel erklärt. Von außen war er von einem ortsansässigen Künstler gestaltet. Das bisschen Extravaganz brachte dem Club leider den Ruf eines Geldvereines ein, der so nie stimmte und hier von mir nicht weiter erörtert werden soll. Dazu kommt, dass im Verein auch immer ein paar Querdenker saßen und sitzen. Daher gab es immer wieder Reibereien mit dem Hamburger Fußballverband; gerne selbst provoziert. Daher auch der Name „Die Geächteten vom Hammer Park“.
Der Bogenschütze, der auch Namensgeber der, leider zu kurzlebigen, Vereinskneipe „ Archer“ war, stellt auch eine Verbindung zu Robin Hood her. Da fängt die britische Affinität an. Viele Gründungsmitglieder haben bis heute auch Kontakte auf die Insel, so dass der eine oder andere Besucher von jenseits des Kanals den Weg nach Hamm fand. Zusammenfassend kann man aber über die Menschen im Verein sagen, dass alle positiv verrückt in Sachen Fußball sind und halt auch mal bereit, andere Elemente aufzugreifen und umzusetzen. Das ist dann wohl auch ein Grund warum sich eine Truppe wie das Hammer Pack hier angesiedelt hat.

Die aktiven Fans vom „Hammer Pack“ sind ja ein ziemlich wilder Haufen. Wie integriert seid ihr im Vereinsleben? Und – das interessiert mich schon sehr – wie lebt es sich ohne „Früher war alles besser!“-Kiebitze?

Das Hammer Pack speist sich vor allen Dingen aus den Subkulturen der Skinheads und Punks. Anfänglich waren es nur ein paar, die auch eher ruhig das Spiel genossen. Da aber der damalige Stadionsprecher den Moment erkannte und das eine oder andere Punk- und Ska-Lied spielte, blieben die Erstbesucher nicht nur, sie brachten auch immer wieder Leute mit. So wurde der Haufen, der blieb, immer größer. 15-20 Enthusiasten sind im Schnitt immer bei den Heimspielen.
Als der Verband noch ein Auge zudrückte und man dem Schiri das ankündigte, war das Zünden von Pyrotechnik auch ein großer Anziehungsfaktor. Leider wird auch auf regionaler Ebene härter durchgegriffen und die Strafen wurden sehr hoch. Da wir keine Ignoranten sind und der Verein inzwischen mehr für uns ist, als reines Freizeitvergnügen und ein Gutteil von uns auch Vereinsmitglieder geworden sind, steht Pyrotechnik nur zu besonderen Spielen zur Debatte.
Es gibt eigentlich einen guten Austausch zwischen Fans und Vereinsseite, auf jeden Fall werden wir nicht einfach geduldet. Mehr für den Verein zu tun liegt sehr in unserem Interesse, deshalb auch die Teilnahme an dieser Initiative.
Das Hammer Pack gibt es seit dem Winter 09/10 und hat seither einiges gemacht, das tatsächlich den Ruf eines „wilden Haufens“ aufkommen lässt. Dazu gehören Osterfeuer frühzeitig zu entzünden, oder das gesamte ausgelobte Freibier eines Sponsors des Buxtehuder SV auszutrinken. Dorthin haben wir zum ersten Mal eine Bustour organisiert, die standesgemäß in einem amerikanischen Schulbus unternommen wurde.
Es aber soll nicht der Eindruck aufkommen, dass wir uns nicht zu benehmen wissen. Bei vielen Vereinen sind wir doch gern gesehen, weil wir den Fußballalltag mal ein bisschen auflockern. Fußball ist uns wichtig. Vor allen Dingen das „Am Platz sein“, und ein guter Support gehört dazu. Das heißt für uns aber nicht, dass wir einen 90 Minuten Dauer-Support machen. Wir haben auch zu viele Lieder, bei denen wir uns selber nicht allzu wichtig und ernst nehmen. Viele der Gesänge sind vom britischen Support beeinflusst oder kurze prägnante Schlachtrufe, wie zum Beispiel das, von Einem angestimmte „Hamm“, das von den Anderen mit einem lauten „United“ erwidert wird. Singen ist allerdings nicht alles. Wir beschäftigen uns auch auf Spruchbändern mit politischen Themen. Hauptsächlich gehen wir dann auf verbandstechnische Belange ein. Wir setzen aber auch Zeichen gegen Faschismus und Rassismus. Dem Trainer wurde nach einem Herzinfarkt via Tapete „Gute Besserung“ gewünscht und ihm ein Foto diese Spruchbandes mit Genesungswünschen überreicht.
Und doch haben auch wir die klassischen Kiebitze die uns dann auch mal kopfschüttelnd anschauen, wenn wir wieder unseren Zinnober betreiben. Im Grunde genommen kommen aber alle recht gut miteinander aus. Wir alle müssen nur mehr aus den Möglichkeiten machen, die wir besitzen.

Zwischen den Zeilen verkauft sich GaSa! als Rettungsaktion für „vergessene“ Traditionsvereine. Wie steht Ihr, als Supporter eines neuen Vereins, zu dieser Sozialromantik? Ist die Initiative da auf einem Holzweg?

Wären wir dabei, wenn wir nicht auch Sozialromantiker wären? Ich selber hoffe, dass einige Menschen erkennen, dass Leute, die im Amateurbereich Vereine supporten, nicht nur da sind, um Remmidemmi zumachen, sondern, dass diesen Leuten der auserwählte Club am Herzen liegt. Dass man mit diesen und anderen Leuten ein Spiel unter freien Himmel genießen und trotzdem guten und spannenden Fußball erleben kann. Unser Traditionsbewusstsein speist sich aus dem Fußball im Allgemeinen und da kommt bei uns wieder das „very british“ ins Spiel.
Wir haben selber Ideen, wie man den Verein und den Amateurfußball besser darstellen kann Es hapert nur mit der Umsetzung, da es viele verschiedene Ideen gibt. Daher glaube ich, dass eine solche Initiative manche Sachen in die richtige Richtung lenken kann und auch der Mut wächst, Dinge umzusetzen. Wenn ich die Resonanzen in den Medien lese, denke ich dass das Interesse da ist und die ersten Schritte getan sind, in eine Zukunft mit mehr Fans bei Amateur-Fußballspielen.

[(?) dm (Supporters Crew 05) | (!) michael (Hammer Pack)]

[3 FRAGEN] an „Upperclass“ des Goslarer SC 08

Im Herzen Deutschlands, in den pitoresken Ausläufern des Harzes, liegt die Stadt Goslar, zu deren Regionalligaclub Goslarer SC 08 uns dieses Mal unsere kleine Interviewreihe führt.

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Benny, für Euch ist der Bundesligaaufstieg von Eintracht Braunschweig sicher ein Fluch. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei den Fußballfans vor Ort der SC nur die zweite Geige spielt. Wie hält es denn das Goslarer Bürgertum mit seinem Traditionsclub?

Sicher, der Aufstieg von Eintracht Braunschweig verstärkt das Ganze noch ein wenig, die Problematik dass die großen Clubs aus der Region uns die Zuschauer „stehlen“ gibt es aber schon länger. Wir haben ja gleich drei Erstligaclubs in der Region (Braunschweig, Hannover, Wolfsburg), wobei man sagen muss, dass vorallem Braunschweig für uns die größte Konkurrenz darstellt. Die meisten fußballbegeisterten Jugendlichen zieht es leider zu eben diesen Clubs, da sie dort bereits etablierte und vor allem große Fanszenen vorfinden, was für die meisten natürlich attraktiver ist, als im hiesigen „Dorfverein“ mühselig selbst Strukturen aufzubauen. Trotz der guten sportlichen Leistung unserer Mannschaft lässt die Resonanz aus der Bevölkerung leider zu wünschen übrig, was sich auch in den Zuschauerzahlen widerspiegelt. Zwar sind 800 Zuschauer wie beim Pokalspiel gegen den VfB Oldenburg nicht umbedingt wenig, vergleicht man es aber mit den Zuschauerzahlen zum Beispiel aus den 50er Jahren, wo teilweise über 9000 Menschen im Osterfeldstadion mitfieberten, fragt man sich schon, wieso das Interesse am GSC so stark nachgelassen hat. Vor allem die jungen Goslarer zieht es eben eher in die großen Stadien rings um Goslar und die Älteren eher vor den heimischen Fernseher.

Eure Gruppe „Upperclass Goslar“ hat sich erst 2012 gegründet. Was verbindet eine junge, ambitionierte Szene mit einem Regionalligisten und wie bringt Ihr Euch fankulturell in das Geschehen im Osterfeldstadion ein?

Unsere Gruppe und auch die Goslarer Fanszene an sich ist noch sehr jung und leider auch noch dementsprechend klein, was natürlich nicht immer einfach ist. Nichtsdestotrotz geben wir immer unser Bestes um die Mannschaft angemessen zu supporten, denn das, was die Jungs auf dem Spielfeld abliefern, ist fußballerisch wirklich hochkarätig und verdient unseren größten Respekt! Zwar ist es oftmals frustrierend wenn man kaum Zuwachs zu verzeichnen hat und auswärts auch mal nur mit 5 Leuten im riesigen Gästeblock steht, jedoch lassen wir uns davon nicht entmutigen.
Uns ist es wichtig unser Ding durchzuziehen, egal wie viele wir sind und egal ob andere uns belächeln. Mir persönlich ist es lieber etwas eigenes vor Ort aufzubauen und zu etablieren, auch wenn es frustrierend und langwierig ist, als mich einer großen auswärtigen Fanszene anzuschließen
und dort in der Masse unterzugehen.

Die Initiative GLOTZE AUS, STADION AN! funktioniert recht gut als dezentraler Zünder. Wie ist Eure Einschätzung? Kann sie auch die Kräfte von, bisweilen zu unterschiedlichen, Fanszenen bündeln?

Die Initiative ist als dezentraler Zünder auf jeden Fall ein sehr guter und längst überfälliger Anfang der Problematik der schwindenden Zuschauerzahlen bei den Amateurclubs entgegen zu wirken. In wie weit das Ganze allerdings wirklich etwas bewirkt, liegt denke ich daran, wie das Ganze vor Ort in den einzelnen Fanszenen weitergedacht und umgesetzt wird. Gemeinsam erreicht man bekanntlich immer mehr als alleine, daher ist der Austausch und die Vernetzung zwischen den betroffenen Fanszenen sicher begrüßenswert, denn letztendlich verfolgen wir doch alle das selbe Ziel, zumindest was diese Thematik betrifft. Was letztlich dabei raus kommt, wird sich zeigen. Wir sind jedenfalls zuversichtlich und haben schon weitere GASA-Aktionen in Planung, um vielleicht in Zukunft mal wieder regelmäßig die 1000er Marke im Stadion zu knacken. Wir werden sehen…

[(?) dm (Supporters Crew 05) | (!) benny (Upperclass Goslar)]

[3 FRAGEN] an die „Porteños“ des FC Kreuzlingen 1905

Diesmal landen die 3 FRAGEN außerhalb der Bundesrepublik, bei den derzeit einzigen nichtdeutschen Unterstützern der Initiative; den „Porteños“ des Schweizer Fünftligisten FC Kreuzlingen 1905.

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Daniel, Kreuzlingen liegt im Norden des Landes, direkt an der deutschen Grenze am Bodensee. Aber in der Schweiz sind die Wege bis zum nächsten nationalen Topclub natürlich nie weit. Wie wird bei Euch der lokale Fußball von den Bürgern wahrgenommen?

Hallo Dirk. Freut mich, euch die Fragen zu beantworten und euch so mal ganz kurz gefasst einen kleinen Einblick in unsere Situation zu gewähren. Allein schon geografisch liegt das Interesse der Durchschnittsbevölkerung ziemlich ausgeprägt bei der Bundesliga, knapp gefolgt von der Schweizer Super League. Stadiongänger gehen zumeist zum FC St. Gallen oder FC Zürich, die etwas älteren auch zum Grasshopper-Club Zürich. In dessen Einzugsgebieten liegen wir, können aber immerhin davon profitieren, dass in unserem Kanton Thurgau kein einziger höherklassiger Verein spielt und auch in unserer Nachbarstadt Konstanz fussballerisch nichts läuft. Der lokale Amateurfussball kämpft seit etwa 20 Jahren mit einem Zuschauerrückgang. Auch durch Liga-Reformen spielen wir immer tiefklassiger, ein Thema das man ja auch in Deutschland kennt. Die letzten Jahre lag unser Zuschauerschnitt bei 220 bis 340 Zuschauern, Tendenz sinkend. Das liegt nur wenig über dem Liga-Durchschnitt. Ein Schnitt von 400-500 wäre das Ziel, für das man aber auf diversen Ebenen viel leisten muss. Auch die lokale Berichterstattung wird eher kleiner, immerhin gibt es mittlerweile eine sehr gute lokale Internetpräsenz die über sämtliche Spiele der lokalen Vereine berichtet. Manche Probleme beim FCK sind sicher auch hausgemacht, zuviele Trainer-/Spielerwechsel, ein totaler Ausverkauf der Nachwuchsbewegung etc. Der neue Vorstand führt den FCK zwar vorbildlich, aber es gilt noch einen langen Weg zu gehen bis der FCK wieder positiv wahrgenommen wird. Zumal wir sportlich in der Stadt durchaus starke Konkurrenz haben. Im Fussball ist mit dem AS Calcio ein familiärer Verein mit grosser Nachwuchsbewegung aktiv, im Handball konnte der HSC Kreuzlingen in die Nationalliga B aufsteigen und im Wasserball ist der Schweizer Rekordmeister und Champions League Teilnehmer SC Kreuzlingen auch Zuschauerkrösus mit bis zu 2′000 Zuschauern bei wichtigen Spielen. Dabei hätte Kreuzlingen als Traditionsverein und auch mit der Einwohnerstruktur (über 50% Ausländer) durchaus etwas Potential. Derzeit versuchen wir in der Stadt die Wahrnehmung mit Standaktionen und dem Verteilen von Gratis-Eintrittskarten zu stärken.

Mit Schweizer Fußball verbinden hierzulande die Meisten nicht zwingend große Sportgeschichte, dabei ist der Alpenstaat die Wiege des Kontinentalfußballs. Auch der FC Kreuzlingen 1905 hat eine glorreiche Vergangenheit. Wie lassen sich Tradition und Moderne bei der Fanarbeit der Porteños vereinen?

Das stimmt und ist auch wenig bekannt. Dabei spielte auch der FC Kreuzlingen eine Vorreiter-Rolle. Die grösste Zeit des FCK’s war in den 30er-Jahren. Zahlreiche ausländische Profi’s spielten damals in der Grenzstadt, unter anderem Norman Smith, Béla Volentik und  eine kurze Zeit auch Heiner Stuhlfauth (Nürnberger Torwart-Legende). An die Konstanzerstrasse pilgerten pro Saison bis zu 50′000 Zuschauer, eine enorme Zahl für den damals nicht mal 10′000 Einwohner fassenden Grenzort. Es gab Spiele gegen West Ham United London, FC Everton, Racing Paris, Hungaria Budapest, FAC Wien, AS Roma und viele weitere europäische Grössen. Obwohl der FCK aus finanziellen Gründen einen Aufstieg in die Nationalliga A ablehnte, gelangen im Pokal und in Freundschaftsspielen immer wieder Siege gegen die besten Schweizer Mannschaften. Die Geschichte geriet beim FCK fast völlig in Vergessenheit. In unserem Fanzine „Grenzstadtkurier“ haben wir die alten Geschichten wieder aufleben lassen und viel Recherchen zu diesem Thema betrieben. Auch die offizielle Stadionzeitung wird mittlerweile von den Fans gemacht und hat eine entsprechende Rubrik. Derzeit ist ein Interview mit einem Zeitzeugen angesagt, auf das ich mich besonders Freue. Das alles wird natürlich auch von den normalen Vereinsmitgliedern begeistert aufgenommen und da wird der Fanszene auch Respekt gezollt. Mit dem „modernen“ Fussball haben wir in dem Sinn kein Problem, weil wir einfach zu tief spielen. Bis auf das Pyro-Verbot kommen wir eigentlich gar nicht in Berührung mit den Problemen, die im etwas höherklassigen Fussball existieren. Natürlich existieren auch gewisse Reibungspunkte zwischen normalen Zuschauern und unserer kleinen Fanszene, aber das hält sich alles sehr im Rahmen und die Wege zum Verein sind kurz. Zumal wir seit neuestem sogar drei Personen aus der Fangruppe im 12-köpfigen Vorstand haben.

Nun ist GLOTZE AUS, STADION AN! eine Initiative aus Deutschland, aber die Situation des Amateurfußballs beileibe kein rein deutsches Problem. Wie kann GaSa! Euch eine Hilfe sein?

Ich denke allein schon als Austauschplattform kann die Initiative von nutzen sein. Auch ein gemeinsames Auftreten wird sicher von Vorteil sein, um das Problem in der Bevölkerung überhaupt ins Bewusstsein zu rücken. Ich denke, dass sich viele einfach keine Gedanken machen und dabei auch der Bezug zum lokalen Verein verloren ging. Dabei haben wir doch so eine spannende Leidenschaft zu bieten. Ich könnte mir auch Flyer-Material etc vorstellen, welches die einzelnen Gruppen nur für Ihren Verein anpassen müssen. Auf alle Fälle freue ich mich auf den Austausch und auf künftige Aktionen.

[(?) dm (Supporters Crew 05) | (!) daniel ( Porteños FC Kreuzlingen)]

[3 FRAGEN] an „Havelcrew“ & „Maniacs Null Fünf“ des Brandenburger SC Süd 05

Erneut führt uns die Interviewreihe in den Osten der Republik, wo die Fans des Oberligisten Brandenburger SC Süd 05 ihr Unwesen treiben.

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Bernd, das Bundesland Brandenburg hat, sieht man einmal von den Frauen von Turbine Potsdam ab, keinen Erstligaverein. Das klingt doch eigentlich nach einem wahren Paradies für Amateurclubs. Euer Stadion müsste doch rappelvoll sein…

Das stimmt so weit. In der näheren Umgebung zu Berlin befinden sich viele weitere Clubs, die aber auch nur vereinzelt Publikum aus unserer Stadt anziehen. Generell sehen wir eher das Problem darin, dass sich in den letzten Jahren eine Fußballgesellschaft entwickelt hat, die es einem Fan einfach macht sein Produkt zu konsumieren. Das geht dann für die meisten leider am leichtesten vom Sofa und dem Fernseher aus. Oder man schließt sich einer Masse an, in der man untertauchen kann. Dass Fans aus unserer Region sich mit Bundesligavereinen, Spielern und den heutigen Fußballevents, die utopische Millionenbeträge verschleudern, identifizieren, ist leider auch ein Spiegelbild unserer heutigen Gesellschaft. Fußball, selbst in einem Oberligastadion ist für uns viel näher, realer und mit weitaus mehr Emotionen und Erlebnissen verbunden. Auf die Vermarktung und nicht endende Kommerzialisierung des Fußballs durch SKY, Sport1 und die Verbände verzichten wir schon lange und wollen diese auch nicht unterstützen. Auch darin sind die Wurzeln unserer Fanszene zu finden.

Eure Fanszene wirkt einerseits recht übersichtlich, ist andererseits aber immens kreativ und produktiv. Woher nehmt Ihr Eure Ideen und in welche Projekte steckt Ihr sie?

In unserer Fanszene findet man viele verschiedene Leute und ein Stück weit macht es gerade auch diese Mischung aus. Egal ob Fan, Old School oder Ultra, wir versuchen immer einen gemeinsamen Weg zu gehen und alle Interessen und Ideen unter einen Hut zu bringen. Von Anfang an haben wir uns hohe Ansprüche gesetzt. Denen können natürlich auch wir nicht immer gerecht werden. Wir sind aber schon zufrieden mit dem Ergebnis der letzten fünf Jahre. Unsere Ideen entstehen im täglichen Alltag oder der, bereits erwähnten, Vielfalt in der Kurve. Egal ob es dabei um die Auftritte bei Spielen geht oder vielen weiteren Aktionen wie Choreos, Graffitis, Streetart, Flyer oder Merchandise. In den letzten Jahren haben uns auch zahlreiche Arbeitseinsätze rund um den Verein begleitet. Unser Fanleben beschränkt sich eben nicht nur auf die Spieltage, sondern dreht sich meist mehrmals die Woche nur um Null Fünf. Somit haben wir uns eine Mitgestaltung im Verein in den letzten Jahren erarbeitet, die uns auch motiviert. Alles in allem ist es einfach ein Stück greifbarer und dadurch mehr „unser“ Verein!

Wie wollt Ihr Eure Liebe zu „Branne“ und Eurem Club an die Bürger der Stadt weiter geben? Kann GLOTZE AUS, STADION AN! dabei eine Hilfe sein?

Die Kampagne spricht uns aus der Seele und es war von Anfang an für uns keine Frage, dass wir dabei sind. Inhaltlich werden wir das Ganze an mehreren Spieltagen aufgreifen und auch zusammen mit unserem Verein verschiedene Aktionen durchführen, um den Leuten aus unserer Havelstadt eine andere Fankultur aufzuzeigen. GLOTZE AUS, STADION AN! ist uns dafür eine große Hilfe, da sie bundesweit auf die Probleme hinweist und zudem der Zusammenhalt enorm wichtig ist. Gefragt sind aber auch die Vereine und Fanszenen, die Spieltage attraktiv zu gestalten und so neue Zuschauer zu gewinnen. SUPPORT YOUR LOCAL TEAM!

[(?) dm (Supporters Crew 05) | (!) bernd (Havelcrew & Maniacs Null Fünf)]