3 Fragen

[3 FRAGEN] an «neunzehn03» vom FK 03 Pirmasens

Das nächste Ziel unserer Reihe «3 FRAGEN» ist «neunzehn03». Ein von zwei Fangruppen gestalteter Blog des Traditionsclubs FK 03 Pirmasens, einem Oberligaverein, wie er eigentlich besser gar nicht in die Initiative GLOTZE AUS, STADION AN! passen könnte.

Logo-Pirmasens

Marius, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum 110jährigen Bestehen Eures Clubs! Sagt man eigentlich wirklich „die Klub“, oder ist das für Euch nur noch eine nostalgische Floskel?

Zunächst einmal vielen Dank für die Glückwünsche. Unser Verein kann in seiner langjährigen Geschichte auf viele Höhen und Tiefen zurückblicken. So zählte der FK 03 Pirmasens lange zu den Aushängeschildern des südwestdeutschen Fußballs, wurde jedoch bei der Bundesliga-Gründung im Jahr 1963 auf Grund der Zwölf-Jahres-Wertung nicht berücksichtigt. Drei Jahre zuvor erreichte man das DFB-Pokal-Halbfinale und auch als Zweitligist sorgte man in den 70ern mit der Teilnahme an mehreren Aufstiegsrunden für Furore.

In der Folge kam der langsame Abstieg unseres Traditionsvereins in Gang, welcher 1993 in der Landesliga endete. Nach zwei kurzen Gastspielen in der zweigleisigen Regionalliga, zuletzt im Jahr 2007, findet man sich seitdem in der fünftklassigen Oberliga wieder.

Die Bezeichnung „die Klub“ leitet sich von unserem Vereinsnamen „Fußballklub“ ab, welcher in Deutschland mit Sicherheit eine weitere Besonderheit darstellt, da diese Schreibweise nicht (mehr) häufig zu finden ist. „Die Klub“ basiert auf dem Pfälzer Dialekt und ist daher in unserer Region noch sehr gebräuchlich. Der Ausspruch findet sich auch im zwischenzeitlich überarbeiteten Vereinswappen wieder. Und so stellt sich unter der Woche bei den einheimischen Fußballfans, egal ob Jung oder Alt, bereits die Frage: „Wo spielt‘n ‚die Klub‘ om Somschda?“.

Wie hat sich in den letzten Jahren die Zuschauersituation auf der Husterhöhe entwickelt? Kann man so nah am Proficlub und einstigen „Erzfeind“ 1. FC Kaiserslautern noch Bürger mit Oberligafußball erreichen?

Zugegeben, der 1. FC Kaiserslautern ist in der Pfalz die unangefochtene Nummer 1. Weitere höherklassige Vereine spielen im benachbarten Saarland, Rheinhessen oder in Baden. Zu unserem Leidwesen pilgern auch Fußballinteressierte aus der Südwestpfalz auf den Betzenberg. Nichts desto trotz erreichte unser FKP beim letzten Gastspiel in der Regionalliga einen Zuschauerschnitt von 2.200.

Auch in den ersten Jahren nach dem sofortigen Abstieg in die Oberliga konnte sich die Zuschauerzahl auf dem „Klubplatz“ noch sehen lassen. Grund hierfür war, dass in der Spielklasse zum Einen noch viele weitere Traditionsklubs spielten, die mittlerweile die Liga jedoch alle nach oben verlassen haben und zum Anderen der Aufstieg 2006 bei den Pirmasenser Anhängern hohe Erwartungen und Hoffnungen an die Glanzzeiten der früheren Jahre anzuschließen weckte. Verstärkt wurde dies auch durch den Umzug in ein neues, zweitliga-taugliches Stadion, welches gemeinsam mit unserer erfolgreichen Jugendarbeit beste Voraussetzungen hierfür bat und auch heute noch für eine höhere Ligazugehörigkeit bietet.

Mittlerweile haben sich die Zuschauerzahlen aber an die Realität des Amateurfußballs „angepasst“. So spielte man gegen Ende der sportlich schwachen letzten Saison teilweise nur noch vor einem Stammpublikum von mageren 300 Fans, die sich im 10.000 Zuschauer fassenden Sportpark verlieren.

Nicht selten hört man in Pirmasens auch das Argument, dass man sich für nur wenige Euro mehr anstelle des Oberliga-Gekicke auch Zweitliga-Fußball im vierzig Kilometer entfernten Kaiserslautern anschauen könne.

Erzähl mal, wie Ihr vor Ort arbeitet und was Ihr Euch von der Initiative erhofft!

Aufgrund der momentan tristen sportlichen Situation und der Tatsache, dass Pirmasens mit 40.000 Einwohnern eine eher kleinere Stadt ist, sind auch unsere Strukturen dementsprechend. Der ebenfalls kleine aktive Kern versucht dennoch, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen.

Neben dem Support unserer Mannschaft an Spieltagen, zählt – wie in anderen Gruppen auch – das Malen von Fahnen, Planen von Choreographien und die Organisation von Auswärtsfahrten für alle Anhänger des Vereins zu unserem Alltag. Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist auch der unabhängige Fanblog „neunzehn03“, welcher über das Geschehen beim FK 03 Pirmasens in Bild und Text berichtet.

In der letzten Spielzeit starteten wir zudem die Spendenaktion „Klubfarben bekennen!“, welche zum Ziel hat, unser neutral anmutendes städtisches Stadion in eine „echte“ Heimspielstätte für unsere „Klub“ werden zu lassen. Des Weiteren haben auch einige Personen aus unserem Kreis ehrenamtliche Funktionen im Verein übernommen, wie beispielsweise das Amt des Fanbeauftragten und das Gestalten von Fanartikeln.

Von der Teilnahme an der Initiative erwarten wir uns zunächst einen Austausch mit anderen Fangruppen über die Probleme im Amateurfußball und wie man gegen die schwachen Zuschauerzahlen und die fehlende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit vorgehen kann.

Vor Ort möchten wir die Problematik zum Thema machen und dazu bewegen, wieder vermehrt das Stadion zu besuchen und den lokalen Fußballklub zu unterstützen. Dies soll durch Information und Aktionen geschehen, welche wir für den Beginn der neuen Saison planen.

[(?) dm (Supporters Crew 05 e.V.) | (!) marius (neunzehn03)]

[3 FRAGEN] an «Fraktion H» des BFC Dynamo

Wir bleiben im Osten Deutschlands und wollen die kleine Interviewreihe «3 FRAGEN» mit der Fangruppe «Fraktion H» des Oberligisten BFC Dynamo fortsetzen.

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Gismo, der BFC Dynamo und seine Fans werden auf antifaschistischen Plattformen oft in Verbindung mit rechtsextremen Gruppen gebracht. Kann sich die «Fraktion H» einer Initiative anschließen, die sich offen gegen Rassismus, Homophobie und rechtes Gedankengut im Stadion stellt?

Wir vertreten die Ansicht, dass jede Art von Extremismus nicht ins Stadion gehört! Dabei ist es egal, ob sie von rechts oder links kommt. Somit können wir als Fraktion H die Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber Fußball ist eben Fußball und Politik ist Politik. Es gab bei unserem Verein, dem BFC Dynamo, früher sicherlich Erscheinungen von Rechtsaußen. Dies war aber bestimmt kein Phänomen, das es nur beim BFC und in der Hauptstadt gab. Dennoch galt für viele häufig der einfache Grundsatz: Erlaubt ist, was provoziert. Doch die Zeiten ändern sich auch und man lernt auch dazu. Warum wir als Gruppe hin und wieder mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht werden, können wir uns nicht wirklich erklären. Wir haben nie einen Anlass zu solchen falschen Vermutungen gegeben. Bestimmt macht man es sich bei diesem Thema wieder sehr einfach und behauptet solche Dinge, weil wir leidenschaftliche Fans des BFC Dynamo sind.

Bereits die DDR-Geschichte des BFC Dynamo als vermeintlicher «Stasi-Club» hinterlässt nicht zwingend einen guten Eindruck. Macht es überhaupt Spaß einen Club mit dieser «Altlast» zu supporten?

Ja! Jeder von uns hat seinen eigenen Weg, wie er zum BFC gekommen ist. Viele haben an die DDR keine Erinnerungen mehr oder sind zum Teil schon in der wiedervereinigten BRD geboren. Trotzdem gehen alle zum BFC. Die „Altlast“, wie Ihr sie nennt, merkt dennoch jeder von uns. Egal wo wir hinkommen, keiner kann uns leiden. Das macht das Fan-Leben nicht immer einfach, weil dir jeder versucht Steine in den Weg zu legen und unseren Verein am liebsten am Boden liegen sehen möchte. Das schweißt aber auch zusammen. Man ist auch Stolz auf die Erfolge des BFC in der Vergangenheit. Es wird zwar immer geschrieben, dass alle Spiele verschoben gewesen wären, aber das stimmt so einfach nicht! Egal auf welchem Weg sie nach Berlin gekommen sind, der BFC Dynamo hatte nunmal die besten Spieler und das auch dank seiner hervorragenden Jugendarbeit. Diese spielt bis heute eine sehr große Rolle im Verein und muss es auch in Zukunft noch mehr spielen.

Berlin beherbergt drei Profivereine und zahlreiche Clubs in den unteren Ligen. Wie sieht da der Stadionalltag beim Amateurclub BFC Dynamo aus und was erhofft Ihr Euch von der Initiative?

Drei Profivereine? Noch nie von denen gehört. ;-) Der Stadionalltag sieht manchmal etwas trist aus. Zu den normalen Punktspielen kommen in der Regel leider nur noch 800 Fans. Läuft es in der Liga gut und die Mannschaft spielt oben mit, steht der BFC im Berliner Pokalfinale oder darf sogar im DFB-Pokal mitspielen kommen auch mal 2.000 bis 10.000 Zuschauer. Das macht den Alltag sicherlich nicht einfach. Bei normalen Punktspielen sind im Schnitt, sagen wir mal, 890 Zuschauer im Stadion und vorm Live-Ticker im Internet sind noch mal 700 online dabei. Wir erhoffen uns von der Initiative wieder etwas mehr Leute ins Stadion zu locken und sie davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, das Spiel in geselliger Atmosphäre zu schauen. Ihr habt aber auch die vielen anderen Amateurclubs angesprochen: Auch für die würden wir uns wünschen, dass die lokalen Anwohner dort wieder öfter vorbeischauen. Die meisten von uns verfolgen beispielsweise immer noch Ihren Jugendverein oder schauen auch bei den Vereinen vorbei, wo Fanclubmitglieder nebenbei noch selber gegen den Ball treten. Beim Großteil der Amateurclubs ist es doch immer das gleiche: Bis auf ein paar Enthusiasten ist kaum noch einer da. Die Leute schauen halt lieber überregionalen Fußball im Fernsehen oder in der Kneipe. Eine komische Situation ergibt sich auch dann, wenn im Vereinsheim eines Clubs Sky läuft und mehr drinnen Bundesliga schauen, als draußen den lokalen Verein.

[(?) dm (Supporters Crew 05 e.V.) | (!) gismo (Fraktion H)]

[3 FRAGEN] an die «Intergalactic Jesters» des Dresdner SC 1898

Der zweite Teil unserer kleinen Interviewreihe führt uns in den Osten Deutschlands, und dort zu einer Supportergruppe des Bezirksligaclubs Dresdner SC 1998; den «Intergalactic Jesters».

DresdnerSC-Minilogo

Roy, denkt man als fußballafiner Mensch an Dresden, wird alles vom großen «Dynamo» übertönt. Keine Ligawoche, in der nicht über «den» Club der Stadt geschrieben wird. Wie fühlt es sich denn an, im Schallschatten dieses Getöses?

Wichtig ist doch zuallererst der eigene Club. Zwar dominiert Dynamo die Medien und die sächsische Fußballlandschaft, was es schwierig macht, sich dem ganzen Trubel zu entziehen. Dagegen freuen wir uns umso mehr über jedes bisschen Aufmerksamkeit zum Beispiel in einer überregionalen Fachzeitschrift, wie zum Beispiel bei [11Freunde] oder als Arnd Zeigler in seiner [Wunderbaren Welt des Fussballs] die von Links mit Links direkt verwandelte Ecke von Tino Wecker würdigte.

Dafür gibt es bei uns keine Warteschlangen an den Stadiontoren, die Eintrittspreise sind erschwinglich und das Programmheft wird von Fans für Fans gestaltet. Im Stadion läuft Musik, die man sich noch anhören kann. Es gibt keine nervigen Sponsoren-Jingles und Halbzeitshows mit Gewinnspielen. Das leckere Grillgut und Bier wird noch mit „echtem“ Geld bezahlt und auf dem Rasen stehen Fußballer, die zum einen keinen Cent verdienen und sich andererseits an echten Emotionen auf den Rängen erfreuen. Ich möchte das nicht wirklich eintauschen – über ein paar Zuschauer mehr, würden wir uns aber sicher freuen.

Die Wenigsten wissen, dass der Dresdner SC zweimal deutscher Meister war, allerdings zu Zeiten des Dritten Reichs, während des 2. Weltkriegs. In der DDR existierte der Club gar nicht mehr und wurde erst nach der Wende wieder zusammen gepuzzelt. Wie gehen die Supporter mit der Geschichte des Vereins um?

Der Verein wurde ja bereits im Jahre 1898 gegründet. Ich finde es daher sehr Schade, dass der Club oft nur auf seine zwei Meisterschaften und Pokalsiege „reduziert“ wird. Neben Fußball gab es schon zu Beginn viele weitere Sportarten wie Leichtathletik, Hockey, Fechten und Handball. Aktuell sind unsere Volleyballerinnen das Aushängeschild, welche in der Bundesliga und Champions League spielen und nicht nur Deutscher Meister sondern auch Europapokalsieger wurden. Mit über 3700 Mitgliedern ist der DSC einer der wichtigsten Sportvereine in Sachsen.

Aber vor allem die jüngste Generation Fans setzt sich durchaus intensiv und kritisch mit der eigenen Geschichte auseinander. Seit knapp einem Jahr gibt es ein „eigenes“ privates Museum. Auf der Seite [Sportmuseum Friedrichstadt] soll die Geschichte intensiver beleuchtet und aufgearbeitet werden. Da dieses Projekt ehrenamtlich betreut wird, ist derzeit an eine vollständige Aufarbeitung nicht zu denken. In den kommenden Jahren sollen aber auch die Räume der Geschäftsstelle entsprechend gestaltet werden. Vor allem für die Zeit des Nationalsozialismus besteht ein großer Bedarf an Aufarbeitung.

Noch ein wenig zur Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte man unter dem Namen SG Friedrichstadt, welche 1950 nach dem „Skandalspiel“ gegen Horch Zwickau aufgelöst wurde. Unser DSC-Stadion wurde dennoch weiter genutzt. Und zwar vom SC Einheit Dresden. Bei welchem sich viele Gemeinsamkeiten mit dem DSC finden lassen. Der SC Einheit war SPORTCLUB, die Vereinsfarben dem DSC ähnlich und er knüpfte natürlich mit der Spielstätte an die DSC-Geschichte an. Außerdem war der SCE die erste Dekade der noch jungen DDR die Nummer Eins in Fußball-Dresden (erstklassig bis 1962) und brachte gute Fußballer hervor, bspw. Eduard Geyer. Wobei der Höhepunkt natürlich der FDGB-Pokalsieg 1958 war. Es ist nur logisch, dass aus dem SC Einheit und der 1966 ausgegliederten Fußballabteilung im Jahr 1990 wieder der Dresdner SC wurde. Mit Schwung arbeitete dieser sich von der Bezirksliga bis in die dritte Liga hoch. Das Hochwasser 2002 und die angespannte finanzielle Situation sorgten für den Absturz und schlussendlich für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Seit 2007 wurden die Fußballer wieder in den Gesamtverein aufgenommen.

Wie sieht Euer Alltag als Fans eines Bezirksligisten aus und wie wollt Ihr die Initiative für Euch nutzen?

Es gibt immer wieder Anläufe die Organisation innerhalb der Fanszene zu Institutionalisieren. Doch für feste Strukturen ist unsere Fanszene zu hippiesk und bisher scheiterten alle Vorhaben. Wir haben ein paar kleine Fanclubs, deren personelle Zusammensetzung fließend ineinander über geht und es keine festen Grenzen gibt. Zu Spieltagen treffen wir uns in unserem Block und wenn die Lust danach steht, wird supportet. Ab und an auch Fahnen geschwenkt. Manchmal kommt es auch vor, dass wir fast die kompletten 90 Minuten schweigen, dementgegen gleicht unser Support hin und wieder dem bekannten Ultra-LaLa-Dauergesang. Wobei wir uns dezidiert nicht als Ultras begreifen. Gewalt oder Fahnen- und Schalklau hat bei uns nichts zu suchen. Unser Alltag gestaltet sich über die Basics wie das gemeinsame Fahnen malen, Grillen und Auswärtsfahrten organisieren. Darüber hinaus tragen wir in diesem Jahr zum zweiten Mal unseren [“Kick-Racism“-Cup] in Erinnerung an Marwa El-Sherbini aus, welche im Jahr 2009 im Dresdner Landgericht aus islam- und fremdenfeindlichen Motiven ermordet wurde. Des Weiteren gibt es seit über einem Jahr eine aktive Freizeitgruppe, welche als „SG Friedrichstadt“ an unterschiedlichen Turnieren teilnimmt. Das „DSC FanTV“ und „DSC-Webradio“, welches von Fans für Fans „produziert“ wird, ist fester Bestandteil des Vereins. Mit Hilfe der Initiative wollen wir weitere Mitstreiter für den DSC gewinnen, welche sich eventuell auch irgendwann Ehrenamtlich für den Verein engagieren.

[(?) dm (Supporters Crew 05 e.V.) | (!) roy (Intergalactic Jesters)]

[3 FRAGEN] an die Supporter von Altona 93

Die Initiatoren der Fans von Göttingen 05 haben sich inzwischen oft genug zu Wort gemeldet und wollen jetzt einmal den Spieß umdrehen, um in der Kurzinterviewreihe 3 FRAGEN mit den Vertretern der beteiligten Fangruppen über „ihr Ding“ zu sprechen. In akribisch alphabetischer Reihenfolge…

Wir beginnen mit den Supportern des Hamburger Oberligaclubs Altona 93.

Gasa-Altona

Jan, böse Zungen behaupten ja, dass die Kurve von Altona 93 nur ein Sammelbecken von frustrierten St. Pauli-Fans wäre. Wieviel eigene Identität hat die Fanszene des „Stadtteilclubs“?

Zunächst einmal hat der Verein selbst eine spannende, eigene Identität, die auch auf der Tradition beruht. Altona 93 hat den norddeutschen und deutschen Fußball mitgeprägt als St.Pauli noch ein Turnverein und der HSV noch nicht fusioniert war. Außerdem gibt es nicht „die Kurve von Altona“, sondern eher drei – eigentlich sechs – verschiedene Blöcke auf drei Seiten des Stadions, die recht unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und Supporten haben. Uns eint allerdings die Liebe zum Fußball und die Grundüberzeugung, dass Diskriminierungen zu verurteilen sind. Zudem haben sich in den letzten Jahren viele eigene Traditionen, ein eigener Humor und Gesänge entwickelt, so dass auch die Fanszene ganz sicher eine eigene Identität hat.
Du fragst nach den St.Paulianer_innen. Ja, die gibt es bei uns. Sie dominieren aber bei Weitem nicht das Bild. Genau so wenig, wie die HSVer_innen, zu denen ich gehör(t)e und die vielen, vielen Anderen von weiteren Vereinen. Alle der oben genannten Blöcke sind diesbezüglich bunt gemischt und die „Herkunft“ ist bei Altona kein großes Thema.

Kann in Hamburg, wo Volkspark und Millerntor fußballbegeisterte Bürger in Scharen abziehen, die Adolf-Jäger-Kampfbahn überhaupt ein solides Stammpublikum generieren?

Das ist natürlich eine Gratwanderung. Viele von uns kommen so gern, da es beim AFC gemütlich ist und trotzdem ein Fußball geboten wird, der hin und wieder taktische Finessen und individuelle Klasse erkennen lässt. Und da wir relativ wenige sind, sind wir quasi gezwungen, uns diese Gemütlichkeit selbst einzurichten. So legen zwei von uns vor und nach den Spielen Platten auf, andere Kochen Marmelade und Likör aus den Brombeeren im Stadion, engagieren sich in der Fanabteilung des Vereins, organisieren den „Cup der Angst“, entwickeln DIY-Merch, dichten Songs, basteln am Stadion oder schreiben
fürs Fanzine. Das gefällt vielen Gästen und nicht wenige kommen wieder und bleiben. Doch müssen die natürlich eingebunden werden, um die Gemütlichkeit für alle zu erhalten.

Wie macht Ihr Fans von Altona 93 in der Stadt auf Euch aufmerksam und wie wollt Ihr die Initiative nutzen?

Wir haben bei uns in der Fanszene außer einem gemeinsamen Forum und die Fanabteilung kaum Strukturen. Das wirkt auf viele andere Gruppen meist befremdlich. Es ist auch hinderlich, wenn es um konkrete Organisation oder schnelle Absprachen geht. Doch es liegt ebenso ein großes, kreatives Potential darin, dass immer aus unterschiedlichen Ecken neue Aktionen auftauchen. So wurden in kürzester Zeit Flugblätter für die Initiative gestaltet, andere hatten Ideen für Zaunfahnen und Kleber – und Ihr habt einen Artikel fürs Fanzine beigesteuert. Lassen wir uns überraschen, wie die Saison losgeht…

[(?) dm (Supporters Crew 05 e.V.) | (!) jan (All to nah)]